Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.

Wieviel Medienzeit ist gut für Kinder?

07-2022 | Kinder, Familie, Kommunikation

Wer von uns hat das Gefühl, er sollte seine Medienzeit reduzieren?

Wer von uns hat das Gefühl, dass seine Kinder weniger Zeit vor dem Bildschirm verbringen sollten?

Und wer von uns möchte gerne einen Nachschlag von der Lieblingsspeise?

Ganz genau: wir alle! Von angenehmen Dingen können wir nur schwer genug bekommen.

Das Thema ist genauso anstrengend wie alltäglich: Ein Medien-Fahrplan und Regeln führen schließlich oft zu Gemecker und Augenrollen, wenn angekündigt wird, dass der Fernseher, das Handy, oder die Computerspiele nur zu bestimmten Zeiten genutzt werden dürfen.

Ich kenne das.

Zwei Jungs schauen gebannt auf das Tablet.

Bild von Victoria_Art

Viereckige Augen oder Spielverderber?

Und genau deshalb mache ich mir so viele Gedanken dazu. Gerade jetzt zur Sommerferien-Zeit, wenn es so viel Freiheit und scheinbar endlose Möglichkeiten gibt, ist es als Eltern oft schwer, für unsere jüngeren Kinder tolle Beschäftigung zu bieten und für unsere älteren Kinder die Balance zwischen Unabhängigkeit und ‚Aufpassen‘ zu finden.

Wenn auch du dich oft in der Situation siehst, dass du dir als ‚Spielverderber‘ vorkommst, weil du schon wieder ermahnst, dann können dir die folgenden Tipps hoffentlich helfen.

Die tolle Seite des Internets

Zuerst einmal möchte ich ganz klar sagen, dass Medien generell nichts Böses sind.

Zugang zum Internet kann etwas ganz Tolles sein: Unglaublich viel Wissen ist in Sekunden erreichbar, man kann blitzschnell mit Freunden auf der ganzen Welt kommunizieren, mit der Oma ein Bild vom letzten ausgefallenen Milchzahn teilen, Geschichten und Welten erkunden, denen man sonst nie begegnet wäre und und und… es kommt also ganz klar darauf an, wie wir mit all dem umgehen!

Es ist ein bisschen so wie der Straßenverkehr – das System ist toll und hilft uns allen, schneller irgendwo hinzukommen. Aber auch wenn Ampeln meist klasse funktionieren, so ist es ratsam, auch bei grün nicht einfach loszurennen, sondern die Augen offen zu halten.

Verstehst du was ich meine?

Mama, warum bist du schon wieder am Handy?

Als mein jüngster Sohn mich vor ein paar Tagen gefragt hat, warum ich denn schon wieder am Handy und an meinen Mails sei, ist mir dann die (zugegeben etwas unangenehme) Wahrheit aufgefallen: ich muss und möchte meinen Kindern den gesunden Umgang mit Medien vorleben. Nur dann kann ich erwarten, dass auch sie diese Welt aufmerksam und vernünftig erkunden.

Wenn ich mich jeden Abend vor den Fernseher schmeiße und unzufrieden rumschalte, nur um mich abzulenken bis es Zeit ist, ins Bett zu gehen, dann darf ich mich eigentlich auch nicht beschweren, wenn meine Söhne ihre Computerspiele zur Betäubung nach einem anstrengenden Schultag nutzen.

Tipps für den Alltag

Im Alltag heißt das für mich konkret, dass ich aufpasse, wann ich welche Geräte benutze:

  • Ich mache mir Zeiten, in denen ich E-Mails auf dem Handy außerhalb der Arbeit beantworte, anstatt auf jede blinkende Meldung zu reagieren.
  • Wenn ich etwas auf meinem Tablet oder Handy schauen oder lesen möchte, setze ich mich damit hin wie mit meinem Buch, anstatt zwischen Tür und Angel zu tippen.
  • Ich treffe die bewusste Entscheidung, jetzt einen Film zu schauen, statt mich aus Prinzip abends vor den Fernseher zu hocken.
  • Ich versuche es zu vermeiden, direkt vor dem Einschlafen das Handy zu nutzen.
  • Anfangs waren es wir, die die Regel aufgestellt haben, dass keine Handys bei gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch sind – inzwischen sind die Kinder der höchste Wächter dieser Regel. Das gilt sowohl für Mahlzeiten zu Hause als auch außer Haus.

Klappt das immer? Manches besser, manches schlechter: Aber ganz ehrlich, wenn ich mich an diese Regeln halte, dann fühle ich mich besser und das nicht nur, weil ich meinen Jungs ein Vorbild sein kann.

Kinder schauen Fernsehen.

Bild von Victoria_Art

Medienzeit: Verbote oder Regeln?

Ich finde ein Medien-Verbot als Strafe ziemlich unsinnig- ebenso wenig Bonus Spielzeit als Belohnung. Ich wende in meiner Erziehung bei meinen eigenen Kindern keine Bestechung an. Außerdem erschließt sich mir der direkte Zusammenhang zwischen guten Schulnoten und Computerspielzeit nur mäßig.

Ich lege großen Wert darauf, dass meine Kinder meine Entscheidungen verstehen können – auch, wenn sie sie nicht immer mögen.

Als verantwortungsvolle Mama oder Papa muss man selbstbewusst genug sein und hinter unpopulären Entscheidungen stehen. Erziehung ist nicht immer einfach. Es fordert ein großes Maß an Selbstdisziplin und wohl überlegten Entscheidungen. Ein NEIN aus Fürsorge und Verantwortungsbewusstsein bin ich meinem eigenen Anspruch als gute Mutter schuldig.

Das beinhaltet für mich eine Einschränkung der Medienzeit und eine bewusste Auswahl erlaubter Spiele. Ich lasse keine Ego-Shooter Spiele zu und auch am Wochenende ist die Zeit nicht unbegrenzt. Ich vermeide es, einen Zusammenhang zwischen Schule/Leistung und Medienkonsum herzustellen. Klar, leidet die Leistung meist unter exzessiver Nutzung, doch ist das nicht DER Grund, warum ich die Medienzeit einschränke. Da spielen für mich noch ganz andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. die perfekte Programmierung dieser Spiele im Hinblick auf das Belohnungsprinzips. Auf Belohnung springt das menschliche Gehirn sofort an. Ist das Gehirn darauf konditioniert, ist es kaum verwunderlich, dass Anstrengungsbereitschaft und klassisches Lernen, wie es in der Schule stattfindet, unattraktiv sind. Das Gehirn ist schließlich einen anderen Umgang gewohnt.

Die konsequente Umsetzung eines Medienfahrplans in der Familie steht und fällt mit dem Selbstbewusstsein der Eltern zu einem NEIN zu stehen und der Bereitschaft, die Konsequenzen, die aus dem Nein resultieren, zu ertragen.

Diese Forderung stellt die moderne Elternschaft an uns.

Haben Eltern in ihrer eigenen Kindheit gelernt immer gefallen zu müssen oder waren sie selbst sehr angepasste Kinder, wird es ihnen als Erwachsener noch schwerer fallen, konsequent zu ihrem Nein zu stehen.

Bei aller Anstrengung: Mit Spaß geht’s leichter!

Ich möchte nicht, dass meine Kinder das Gefühl haben, dass Medien bei uns verteufelt werden. Wie wir alle wissen, ist Verbotenes gerade für junge Leute ziemlich reizvoll und es gibt ja auch wirklich tolle Sachen, Spiele, Medien da draußen! (Kleiner Spoiler: Mehr dazu im nächsten Blogbeitrag im September.)

Ich finde also, wir können uns als Eltern hier auch ein bisschen zurücklehnen und zum einen unseren Kindern vertrauen, dass sie ganz schön schlau sind und auch in der digitalen Welt zurechtkommen. Und zum anderen können wir uns daran erinnern, dass die Hauptsache ist – im Leben generell und online – Spaß zu haben.

In meiner Kindheit haben sich die Erwachsenen immer darüber beschwert, wie unmöglich es ist, dass alle Kinder Comics statt Büchern lesen. Und heute beschweren wir Alten uns eben darüber, dass die Jungen vor dem Bildschirm sitzen anstatt vor dem guten alten Comic. 😉 Wenn also mal vielleicht drei Harry Potter-Filme am Stück geschaut werden in den großen Ferien, aber das mit viel Genuss, dann ist auch das wunderbar! Am besten natürlich, ihr schaut gemeinsam mit euren Kindern (die Filmauswahl überlasse ich allerdings euch).

Ich wünsche dir und deinen Kindern einen entspannten Sommer voller neuer Entdeckungen – in der echten und der digitalen Welt!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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