Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.
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Bevor du loslegst: Sammle deinen positiven Erfahrungen!

Bevor ich mit der Planung beginne, nehme ich mir viel Zeit und Ruhe, um über das vergangene Jahr nachzudenken.

Schon als Kind habe ich vor Silvester einen Jahresrückblick in ein hübsches Büchlein geschrieben. Ich fasste in einem Text die Geschehnisse des Jahres zusammen und bewertete danach, ob das Jahr für mich ein gutes oder eher ein nicht so gutes war. Diese Art der Verarbeitung tat mir gut und ich fühlte mich danach erleichtert, doch hinterließ es auch manchmal einen schalen Beigeschmack, wenn ich das Gefühl bekam, dass das Jahr „nicht so gut“ gewesen war.

Es war alles sehr schwammig und ungenau.

Heute kenne ich viel bessere Strategien, als einfach alles ungefiltert aufzuschreiben. Inzwischen weiß ich auch, woher das schale Gefühl kam: Ich lud belastende Erfahrungen in meinem Tagebuch ab. Dort verblieben sie für alle Ewigkeit wie in Stein gemeißelt. Das ließ keinen Raum zur Weiterentwicklung.

Entscheidend für unsere Weiterentwicklung ist es, das Positive beizubehalten oder gar zu verbessern und aus negativen Erfahrungen zu lernen.

Die Strategie, die ich heute für alle meine Lebensbereiche anwende, möchte ich im Bezug auf den Lebensbereich Familie vorstellen.

Hier sind die fünf Schritte, in denen ich das vergangene Jahr reflektiere und so das neue Jahr plane, um mir meiner Ziele bewusst zu werden.

Schritt Eins: Was hast du im letzten Jahr gelernt?

WAS HAT DIESES JAHR GUT GEKLAPPT?

Welche Erfolge kannst du feiern?

Wenn du, wie ich, häufig in der Zukunft als im Jetzt lebst (schließlich müssen wir Mütter ständig voraus planen – wer kennt das nicht!), fallen große und kleine Siege schnell mal hinten runter.

Um sich das bewusst zu machen hilft es, alles genau aufzuschreiben. Du denkst „boah, nee! – doch nicht vom ganzen Jahr und nicht von allen Kindern! – Doch, genau das ist wichtig. Ich schaue dafür einfach in meinen Kalender, denn ich wusste ja schon vor einem Jahr dass der große Rückblick im Dezember ansteht und habe mir deshalb vieles schon im Laufe der Zeit aufgeschrieben.

Ich hatte dieses Jahr viel Energie auf meine berufliche Weiterentwicklung gerichtet, sodass ich mir sehr bewusst vorgenommen habe, schöne Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, damit ich sie nicht vernachlässige und mir die gemeinsame Zeit mit ihnen nicht verloren geht.
Das war oftmals sehr anstrengend und ich musste meine persönlichen Dinge dafür hinten anstellen, um dieses Vorhaben bewusst umzusetzen.

Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, in meinem wöchentlichen „Gewohnheits-Tracker“ dafür ein Feld zu markieren. Ich darf das Feld ankreuzen, wenn ich mit einem der Kinder ein gutes Gespräch hatte oder wir gemeinsam Zeit mit etwas Schönem verbracht haben (zusammen Lernen oder Hausaufgaben machen zählt da nicht dazu.)

WAS HAT NICHT FUNKTIONIERT?

Aus dem, was nicht funktioniert hat können wir lernen, was wir in Zukunft anders oder gar nicht mehr machen wollen – deshalb hat alles seinen Sinn!

In stressigen Phasen verfalle ich leichter in die übliche Leier, die jede Eltern-Kind Beziehung betäubt: „Wann schreibt ihr die nächste Arbeit, hast du schon Gitarre geübt, warum liegen die Socken hier mitten im Weg, …“ – schrecklich! Mir fallen gefühlt 1000 dieser Sätze ein und ich hasse mich, wenn ich mich einen davon sagen höre.

Mein Fazit: Ich möchte so nicht sein und möchte einen anderen Umgang finden.

Um das besonders in stressigen, hektischen und erschöpften Lebensphasen zu schaffen, muss ich mir das noch deutlicher ins Bewusstsein holen. 

Ein zweiter Punkt ist der Umgang mit dem Thema Hausaufgaben und Lernen.

Mein Fazit: Es funktioniert bei keinem meiner beiden Schulkinder mit Druck. Auch hier bedarf es eines anderen Weges, als dem üblichen „du musst noch, hast du schon, du willst doch wohl selbst nicht …“-Gelaber.

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Schritt Zwei: Wie sieht deine Vision für dein Leben aus?

Ja, diese Frage klingt ziemlich groß!

Ist sie auch, denn deine Lebensvision beschreibt, wie dein Leben in drei, fünf oder mehr Jahren aussehen soll und umfasst alle Lebensbereiche, nicht nur den deiner Familie.

Jahresziele sind Zwischenetappen auf dem Weg zur großen Vision. Deshalb ist es so wichtig zu wissen, wo die Reise hingehen soll.

Mark Twain sagte: „Wer nicht weiß, wohin er will, der darf sich nicht wundern, wenn er ganz woanders ankommt.“

Eine große Hilfe dabei, meine Lebensvision und meine Ziele zu definieren, war mir das Buch von Ryder Caroll „Die Bullet Journal Methode“. Dieses Buch gibt viele praktische Anleitungen, um diese Themen strategisch zu bearbeiten.

Ebenso inspirierte mich das Buch von John Strelecky „The Big Five for Life“. Das Buch richtet sich zwar mehr an Unternehmen, doch lassen sich viele Gedanken daraus auf den privaten Lebensbereich übertragen.

Egal, wie du zu deiner Lebensvision kommst, das WARUM hinter deinen Zielen ist entscheidend!

Ohne ein für dich starkes Warum verpuffen deine Vorsätze so, wie das Vorhaben, endlich ab Januar mehr Sport zu machen oder für die nächste Klassenarbeit früher anzufangen zu lernen.

Schritt Drei: Welche Ziele möchtest du in den nächsten zwölf Monaten erreichen?

Deine Vision ist dein Wegweiser.

Dein jährliches Ziel bringt dich dieser Vision näher.

Die jährliche Reflexion über deine Vision hilft dir dabei, deine Vision immer wieder zu überprüfen.

Unsere Erfahrungen können dazu führen, dass wir an der Vision nachjustieren wollen und das ist gut so! Deine Vision ist nicht in Stein gemeißelt und es macht viel mehr Spaß, mit ihr spielerisch umzugehen – jedes Jahr auf ein Neues.

Ich möchte dir zwei Möglichkeiten vorstellen.

a. Du leitest deine Ziele direkt aus Schritt eins ab

Dabei schaust du, was dieses Jahr nicht geklappt hat und fragst dich, ob es dir wichtig ist, diesen Bereich zu verbessern. Frage dich: Warum ist es gut, wenn sich xy verbessert, was bedeutet das für uns, was ermöglicht uns das?

In meinem Beispiel würde ich aus „Meine Kinder mit Druck zum Lernen zu bringen klappt nicht“ ein neues positives Ziel formulieren. Das könnte sein:

  • Ich möchte keinen Streit mehr beim Thema Lernen. Warum? Weil unsere Beziehung dann liebevoller, inniger und ungestörter ist.
  • Ich möchte mich aus dem Schulbereich meiner Kinder mehr zurück ziehen. Warum? Weil wir dann weniger Streit haben und siehe oben.
  • Ich bringe meinen Kind mehr Eigenverantwortlichkeit bei. Warum? Weil es ihr Selbstbewusstsein stärkt und wir weniger Streit haben.

b. Werde dir anhand einer Wertehierarchie über deine Ziele klar

Im ersten Schritt mache ich mir Gedanken über meine Werte.
Was ist mir wichtig?

Dazu nehme ich mir ein Blatt für ein wildes Brainstorming. Alles, was spontan kommt, schreibe ich auf.

Im nächsten Schritt mache ich mir Gedanken über jeden einzelnen dieser Werte, den ich aufgeschrieben habe.

Dann priorisieren ich und beschränke mich bewusst auf eine Auswahl. Mein Ziel ist es, die mir fünf wichtigsten Werte herauszustellen.

Dieses Jahr habe ich das nicht ganz geschafft, denn es blieb eine Auswahl von sechs Werten übrig. Ich habe mir selbst gegenüber dann einfach ein Auge zugedrückt 😉 …

Das Ergebnis: (Selbst-)Liebe, gütige Achtsamkeit, Wertschätzung, Empathie/Verständnis, Toleranz und Mut.

Diese Werte geben mir eine Richtung vor, aus denen ich klare Ziele formulieren kann.

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Bild von Free-Photos

Schritt Vier: Was musst du tun, um dein Ziel zu erreichen?

Um das Ziel formulieren zu können lasse ich mich von folgenden Fragen leiten, die sich aus meiner vorherigen Aufgabe ergeben:

  1. Warum ist mir Wert XY wichtig?
  2. Wie wirkt es sich in meinem Alltag aus, wenn ich diesen Wert mit einbeziehe, bzw. lebe?
  3. Was bedeutet das für uns?
  4. Was sollte ich nicht mehr tun, wenn ich diesen Wert in meinen Alltag integrieren möchte.
  5. Was sollte ich mehr tun?

Ich mache es am Beispiel Toleranz deutlich:

zu 1. Ich möchte meinen Liebsten die Möglichkeit geben, sich ihren Neigungen entsprechend frei entwickeln zu können.
zu 2. Kinder lernen durch Vorbilder und Nachahmung. Lebe ich Toleranz vor, werden auch sie diesen Wert in ihr Portfolio integrieren können. Irgendwann werde ich auch diese Toleranz mir gegenüber einfordern können.
zu 3. Unser Familienleben wird harmonischer werden, weil sich jeder wahrgenommen und angenommen fühlt.
zu 4. Ich sollte nicht in meiner Gedankenwelt bleiben und den anderen meine Erwartungen überstülpen.
zu 5. Ich sollte als gutes Beispiel voran gehen.

Nach all diesen Überlegungen kann ich eines meiner Ziele formulieren:

Ich möchte dieses Jahr dazu nutzen, um meinen Kindern tolerantes Verhalten vorzuleben.

Tony Robbins sagt: „Eine Familie braucht Liebe, Stärke und Wachstum – nicht Frieden!“

Ich denke, dass ich durch mein tolerantes Verhalten das Wachstum meiner Kinder positiv fördern kann.

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Bild von Alexas Fotos

Schritt Fünf: Brich deine Ziele auf kleine Happen herunter

Das klingt immer noch alles ziemlich abstrakt und sicherlich willst du jetzt wissen, wie du das schaffen kannst und fragst dich, was du konkret tun muss, um deine Ziele im Alltagstrubel nicht aus dem Blick zu verlieren.

Da gibt es zwei Dinge zu beachten:

1. Du musst dir immer wieder deiner Ziele bewusst werden.


2. Deine Ziele müssen in Aufgaben herunter gebrochen werden, die konkret sind (prozessorientiert).

Ein Beispiel: Fünf Kilogramm Abnehmen wäre das Ziel, die Aufgabe dazu könnte lauten: „Sonntags keine Chips essen.“

DER WEG ANS ZIEL IST DAS HERUNTERBRECHEN IN KLEINE AUFGABEN UND KLEINE ZWISCHENZIELE

Deshalb schreibe ich mir alles auf. Durch das Aufschreiben wird ein bewusster Prozess in Gang gebracht, der es mir abverlangt, eine möglichst präzise Formulierung zu finden. Wenn ich mein Ziel habe, dann kann ich das Wie angehen.

Dabei hilft mir die 5-4-3-2-1 Methode aus „Die Bullet Journal Methode“:

Ich teile eine Seite meines Journals in 5 Bereiche (Falls du kein Journal nutzt, kannst du das Ganze auch auf einem Blatt Papier machen).

Im obersten Feld stehen die Ziele, die ich in 5 Jahren erreicht habe, im nächsten Feld die Ziele, die ich in den nächsten 4 Monaten erreicht haben will, dann in 3 Wochen, 2 Tagen und 1 Stunde.

Dann frage ich mich nach dem Was und im zweiten Schritt nach dem Wie (das Warum hast du bereits abgehandelt).

Schauen wir uns das nochmal am Beispiel „Toleranz“ an:

5 Jahre: Ich habe die Grundlage gesetzt, die meine Kinder brauchen, um selbst eine tolerante Persönlichkeit entwickeln zu können.
Wie mache ich das? -> Wir lassen zusammen die Korken knallen!

4 Monate: Ich habe gelernt, eigene Vorgehensweisen meiner Kinder zu tolerieren.
Wie habe ich das geschafft? -> indem ich mir immer wieder meine Ziele und Zwischenziele vor Augen geführt habe und überlegt habe, in welchen Situationen es mir gelungen ist und in welchen nicht. Außerdem frage ich mich, warum es mir nicht gelungen ist und wie ich es künftig besser machen kann.

3 Wochen: Ich möchte lernen, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden. Anhand der Dinge, die mir nicht ganz so wichtig sind, kann ich mich persönlich leichter in Toleranz üben.
Wie mache ich das? Ich mache mir bewusst, in welchen Situationen ich mehr das Bedürfnis meiner Kinder sehen, wertschätzen, annehmen und akzeptieren werde. Auch das schreibe ich mir auf.

2 Tage: Ich nehme die Bedürfnisse meiner Kinder wahr, um zu wissen, worauf ich mich einzustellen habe. 
Wie mache ich das? -> Ich werde mir darüber klar, wo genau meine Toleranz besonders gefordert ist. Das schreibe ich mir auf.

1 Stunde: Ich möchte heute mit meinen Kindern über Toleranz sprechen. Wie? Dafür muss ich mir ein altersgerechtes Beispiel überlegen.

Wenn du möchtest, kannst du diese Ziele priorisieren, damit es dir leichter fällt, dich wirklich auf eine Sache zu konzentrieren und die dafür richtig gut umzusetzen. Generell ist es gut, sich nicht zu viele Ziele auf einmal vorzunehmen. Mehr als vier Ziele solltest du auf einmal nicht haben. Wenn du diese Ziele schon früher erreicht haben solltest, kannst du dir jederzeit neue Ziele überlegen – auch, bevor das Jahr rum ist.

Um diese Ziele aktiv anzugehen, brauchst du einen praktischen Plan. Das ist das Wie.
Im letzten Schritt gehst du alle Punkte noch einmal durch und überlegst dir konkrete Situationen oder Ansätze, WIE du das Was umsetzen kannst. In meiner beispielhaften Ausführung habe ich das Wie direkt mit beantwortet. In der Praxis sind das zwei Schritte.

Planst du auch dein Familienleben? Was hältst du überhaupt von dieser Idee? Hast du etwas gelernt, was du ausprobieren möchtest? Ich freue mich über deine Gedanken!

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, LRS, ADS oder ADHS Symptomen leichter fällt.

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