Wer will findet Wege ...

Willst du die Beziehung zu deinem Kind mit nur einem charmanten Lösungsansatz verbessern?

von | 02-2020 | Jugendliche, Bindung, Familie, Kinder, Kommunikation

Wir wünschen uns alle eine gute Beziehung zu unserem Kind. Dabei erwarten wir einen wertschätzenden Umgang und gute Kommunikation von unserem Gegenüber. Unsere Gedanken und Worte sollen bitte schön ernsthaft wahrgenommen werden. Wir erwarten ein aktives Zuhören und das noch viel mehr von Menschen, die uns nahe stehen und wichtig sind, wie Freunde oder Familie. Doch sind wir tatsächlich ebenso in der Lage, jederzeit das zu geben, was wir von anderen einfordern? Wie beeinflusst unser Vehalten unsere Bindung zu unseren Kindern?

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Wir sind gerade im Urlaub in der Bretagne und laufen einen wunderschönen endlos langen Sandstrand entlang. Auf den tosenden Atlantikwellen tummeln sich Wellenreiter, es liegen wunderschöne Steine am Strand und schreiende Möwen fliegen übers Wasser. Der salzige Wind bläst uns um die Ohren.

Doch für all das scheint mein Kind keine Wahrnehmung zu haben. Mein Sohn redet ohne Punkt und Komma auf mich ein und erklärt mir mit schon fast manischer Begeisterung zum wiederholten Male alle Verwandtschaftsverhältnisse der Star Wars Figuren. Irgendwie ist unsere Kommunikation gerade eine Einbahnstraße.

Dann sinniert er, welche der unzähligen Laser- und Lichtwaffen die besten sind und wie man eine Laserwaffe am besten nachbauen könnte. Das alles, obwohl wir ihm bisher nur erlaubt haben, den ältesten Star Wars Film anzuschauen, da die anderen erst ab zwölf Jahren freigegeben sind. Mein Sohn ist neun Jahre alt.

Einseitige Kommunikation: Die Beziehung ist keine Einbahnstraße

Ich versuche das wunderschöne Naturschauspiel und die immer tiefer am Horizont stehende rote Abendsonne zu genießen, möchte aber auch nicht unhöflich sein. So nicke ich ab und zu und werfe ein möglichst interessiert klingendes „aha“ und „wirklich?“ in das Gespräch. Bald ist der Urlaub vorbei und ich muss lange darauf warten, bis ich so etwas Schönes wieder sehen kann.

Ich merke, wie ich innerlich unruhig werde und frage mich, wie mein Kind nur so ignorant sein kann und sich in diesem wunderschönen friedlichen Moment gedanklich mit Laserwaffen auseinander setzen kann?

Viel lieber würde ich mich mit ihm über das, was hier in der Gegenwart um uns herum passiert austauschen und unsere Kommunikation wieder in beide Richtungen verlaufen lassen. Gemeinsam würden wir uns auf all das Schöne um uns herum aufmerksam machen: „Schau mal hier“ und „guck mal da, ist das nicht schön?!“

Hat die Jugend denn wirklich so gar keinen Blick für die Natur mehr?

Ich laufe weiter, als mir die alte Pädagogen-Weisheit wieder einfällt. Sinngemäß lautet sie: „Hole dein Gegenüber dort ab, wo es steht“. Während meines Referendariats habe ich diesen Satz noch gar nicht so richtig verstanden, weil ich nicht dachte, dass wir Menschen tatsächlich an so unterschiedlichen Stellen stehen können.

Doch es ist wirklich so. Jeder hat individuelle Voraussetzungen, ist von einer anderen Lebenswelt umgeben und interessiert sich für unterschiedliche Dinge. Ebenso spielen das Alter und die Auffassungsgabe eine wichtige Rolle wie noch viele andere Aspekte. Dann wird mir bewusst, dass meine Gedanken ungerecht und egoistisch sind und ich versuche, unsere momentane Lage gedanklich zu relativieren.

Perspektivwechsel: Die Interessen und Gedanken deines Kindes respektieren

Mein Sohn hat sehr wohl einen Blick für die Natur und deren Bewohner. Er kann 30 Vogelarten unterscheiden, hat erfolgreich ein Meisenküken aufgezogen und ausgewildert, interessiert sich sehr für Wale und Delfine und würde nie einem Tier etwas zu Leide tun. Durchaus ist er also in der Lage, die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur wahrzunehmen und zu schätzen.

Nur genau in diesem Augenblick eben nicht – da geht ihm Star Wars durch den Kopf. Es ist nicht so, dass er exzessiv mit diesem Thema verbandelt ist. Wie gesagt, es gibt genügend andere Dinge, die ihn interessieren, aber genau jetzt ist ihm eben das in den Sinn gekommen.

Im umgekehrten Fall hätte es ja auch genauso gut sein können, dass ich gedankenverloren in ein anderes Thema versunken wäre. Natürlich nicht an so etwas Brutales wie Star Wars, sondern an etwas Sinnvolles! Zumindest hätte ich das rein subjektiv aus meiner Perspektive so bewertet.

Für mein Kind ist das Star Wars Thema sehr komplex. Für viele andere Menschen vermutlich auch. Ich gehöre eben nur nicht zu den Menschen, die von Science Fiction fasziniert sind. Mich interessieren andere Dinge und so wünsche ich mir, dass meine Kinder sich auch für die Sachen interessieren, die ich wichtig finde, wie Natur, Geschichte, Wissenschaft, Kultur, Musik und so weiter.

Die Beziehung zu deinem Kind ist eine Chance zu lernen

Hätte mein Mann mich mit einem Thema konfrontiert, das ihn gerade beschäftigt, hätte ich ja auch nicht gesagt: “Du, Liebster, sei mir nicht böse, aber ich sauge gerade dieses atemberaubende Naturschauspiel tief in mir auf und habe deshalb im Moment keine Kapazitäten für deine Gedanken!“

Eigentlich gar nichts außer, dass ich in diesem Moment in einer anderen Stimmung war als mein Sohn und er aus seiner Stimmung heraus ein Gespräch mit mir gesucht hat.

Ich hatte wohl den Dingen, die mich beschäftigten eine andere Wertigkeit beigemessen als den Gedanken meines Sohnes. Er hat ganz selbstverständlich vorausgesetzt, dass ich mich für seine Gedanken und Themen interessiere.

Er wollte einfach nur seine Gedanken mit mir teilen. Ist das nicht eigentlich wunderschön?!?

Als mir das bewusst geworden war, konnte ich mich darüber freuen und ließ mich auf das Gespräch mit ihm ein. Wieder einmal erfuhr ich vom komplexen Aufbau der Star Wars Welt und wieder einmal konnte ich mir bestimmt nicht alles merken. So wird auch unser nächstes Gespräch über Star Wars bestimmt wieder spannend, weil ich jedes Mal dazu lerne! Und das Allerschönste ist, dass es mir mein Sohn immer wieder aufs Neue geduldig erklärt, wenn ich mich auf das Gespräch einlasse und ernsthaft nachfrage.

Was macht dies mit der Beziehung zu meinem Kind im Alltag?

Leider geht es den Meisten von uns so, dass wir uns im Alltag gehetzt fühlen und die vielen Pflichten und Aufgaben an unseren Kräften zehren. Da haben wir nicht so viel Zeit und Muse zu reflektieren, wie ich damals am Strand in der Bretagne.

Vielleicht reagieren wir dann nicht immer feinfühlig auf eine Kontaktaufnahme unserer Kinder. Und mal ganz ehrlich, wer von uns interessiert sich denn „wirklich“ für die Lego-Welt unserer Jungs oder den Zoff im Puppenhaus unserer Töchter?

Dennoch lohnt es sich, darüber nachzudenken. Was geschieht in der Beziehung zu unseren Kindern, wenn wir sie im Alltag viel zu oft beiseite schieben und überwiegend die Pflichten mit ihnen kommunizieren? Welche versteckten Botschaften senden wir ihnen?

Sind sie es uns nicht wert, dass wir uns wirklich für sie und ihre Lebenswelt interessieren und nicht nur dafür, ob sie ihre Aufgaben schon erledigt haben und die Vesperdose aus dem Ranzen geräumt wurde?

Stell dir vor, dein Mann kommt nach Hause und das zweite, was er dich fragt sind Dinge wie „na, hast du den Einkauf heute erledigt, hast du mit Lisa Mathe gelernt und endlich Wäsche gewaschen?“. Na super! Kein Wunder wären wir von unserem Mann genervt.

Wie kann ich die Beziehung zu meinem Kind verbessern?

Sucht dein Kind das nächste Mal Kontakt zu dir und möchte dir von etwas erzählen, dann geh darauf ein und nimm es ernst. Begib dich in seine Lebenswelt und wechsle die Perspektive. Zeige ehrliches Interesse und stelle Nachfragen. Dabei ist es gar nicht so wichtig, über WAS ihr sprecht, sondern DASS ihr miteinander redet. Im gemeinsamen Austausch und mit echter Kommunikation kannst du viel über dein Kind erfahren.

Ist unser Kind erst mal in der Pubertät, sind wir bestimmt froh darüber, wenn es überhaupt noch mit uns spricht 😉

Durch ehrliche Gespräche festigt ihr eure Bindung. Es sind die Dinge, die unsere Kinder beschäftigen, über die sie sich definieren und die ihnen wichtig sind. Schließlich möchten wir doch auch, dass unser Partner und unsere Freunde uns mit Interesse begegnen und an unserem Leben Anteil nehmen.

Es ist das Gleiche. Dessen sollten wir uns bewusst sein.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, LRS, ADS oder ADHS Symptomen leichter fällt.

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