Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.

Kinder-Alltag: So wird er entspannter! 6 Tipps gegen Unruhe

05-2022 | Kinder, Entspannung, Familie

Unruhe im Kinder-Alltag

Vor Kurzem bin ich Mal wieder in eine Falle getappt, die mir mittlerweile allzu bekannt ist: ich habe zu schnell geurteilt. Als mein Sohn gestresst von der Schule nach Hause kam und den ganzen Nachmittag am Küchentisch rumwackelte und seine Hausaufgaben nicht machen wollte, den Kopf voller Gedanken zu Lehrern, Hausaufgaben und Mitschülern, war mein erster Gedanke „Du bist doch noch ein Kind! So schwer ist dein Leben doch gar nicht!“.

Die häufige Reaktion auf Unruhe: Reiß dich zusammen!

… und Sekunden später biss mich natürlich das schlechte Gewissen. Das kennst du sicher auch – eine genervte erste Reaktion auf einen Menschen, dem man eigentlich mit Liebe und Einfühlsamkeit begegnen möchte. Doch anstatt den Gedanken wegzuschieben, habe ich mir dieses Mal erlaubt, seinem Weg zu folgen. Denn wer redet denn oft über die Verbindung zwischen unruhigen Kindern und Alltagsstress, oder sogar Burnout? Wie oft erlauben wir uns, das Ausmaß dieses Themas anzusehen, ohne wie ich zuerst Mal zu denken ‚stell dich nicht so an‘?

Das Internet und seine Foren und auch Elternabende und andere Besprechungen sind voller Probleme – Kinder sitzen nicht still, können sich nicht konzentrieren, sind lustlos, verbringen zu viel Zeit vor den Bildschirmen und nicht genug Zeit in der Natur, können sich nicht selber beschäftigen. Die Liste geht endlos weiter. Und auf der anderen Seite sind es die unzähligen Entspannungsübungen für Grundschüler, Artikel über Achtsamkeit für Jugendliche und Kinder-Kurse, die Motivation bringen sollen.

Von Stress, Überforderung, Unruhe…

Und plötzlich denke ich mir über meinen Sohn: Du bist doch noch ein Kind! So voll, laut und schwer ist dein Leben schon! Wie viele Stimmen reden dir schon in deinen Alltag rein, sagen dir was wichtig und richtig ist, während du wächst und dich selber findest!

Dieser Beitrag ist also auch für uns Eltern, die diese Erinnerung lesen möchten, so etwas wie ein Liebesbrief an die Ruhe – nicht das graue, suppenartige Gefühl, das sich breit macht, wenn man zu lange vor einem Bildschirm hockt (das können nämlich auch wir Erwachsene gut!), sondern die sonnige Ruhe von Ferien, die so lang sind, dass man manchmal gar nicht weiß, was man mit sich anfangen soll; der Raum, der es einem erlaubt, alles andere zu verarbeiten und Kreativität beheimatet. Und ich gebe euch auch einige Tipps, wie ihr durch Struktur im Alltag Luft hierfür schaffen könnt. Für euch selbst und eure Kinder!

… zu Struktur, Routine, Freiheit

Sehr viel dieses Raumes kann nämlich tatsächlich gewonnen werden, wenn man Routinen einführt. Das mag sich zuerst gegensätzlich anhören: ein strenger Ablauf soll Freiheit geben? Doch erfolgreiche Leute wie Steve Jobs, der stets das gleiche Outfit trägt, wissen, dass solche Routinen den Kopf für Anderes frei machen und damit Klarheit und Ruhe bringen. Klar, gerade mit mehreren Kindern wartet das Chaos immer hinter der nächsten Ecke. Hausaufgaben, Fußballtraining, Fernsehzeit und Freunde bieten genug Ablenkung für die Jüngsten und der Haushalt, das ungenutzte Online-Yoga-Abo, Newsletter, Arzttermine und Kaffee mit Bekannten bringen das gleiche für die Erwachsenen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unseren Kindern vorleben, wie man eine Priorität setzt und seinen Alltag danach gestaltet.

Kinder-Alltag: Yoga mit Mama

Bewusste Entscheidungen als Unterstützung

Ein Beispiel hierfür könnten Hobbies sein: Um zu vermeiden, dass dein Kind 27 Sachen gleichzeitig beginnt und am Ende überfordert und lustlos alles aufgibt, überlegt euch vorher gemeinsam, ob die Theater-AG oder das Flöten-Spielen wichtiger sind. Auch Abwechslung ist möglich, zum Beispiel Theater-AG während der Schulzeit und Musik-Camp in den Ferien. Ruhe entsteht hier, weil eine klare Entscheidung bewusst getroffen wurde (und falls dies je nicht die richtige war, auch wieder geändert werden kann).

Und wenn das Gegenteil der Fall ist und dein Kind am Liebsten nur auf dem Sofa abhängen möchte, könntet ihr darüber reden, welche Faktoren am meisten Stress bringen. Für viele introvertierte Kinder sind die langen Schultage mit konstanten Einflüssen nämlich ganz schön anstrengend. Dann noch nach Hause kommen und lernen? Nein, danke! Das ist wie ein anstrengender Arbeitstag und eine überschwemmte Toilette, die abends geputzt werden muss – und das 5 Tage die Woche… hier hilft es Grenzen zu setzen, durch die dein Kind sich unterstützt fühlt. Zum Beispiel: sonntags dürfen gar keine Hausaufgaben gemacht werden. Oder, nach der Schule entspannst du dich erst einmal, falls du zu müde vom Schultag bist, bevor du anfängst zu lernen.
Auch dies hört sich zuerst nach mehr Zeitdruck und mehr Regeln an, doch das Wissen, dass ein konkreter Zeitraum frei vom größten Stressfaktor ist, kann ungemein Erleichterung bringen. Und im Hintergrund hilft es für uns Eltern, wenn wir uns mal ehrlich fragen, wann es wichtiger für ein Kind ist, dass es glücklich und außer Puste vom Spielen an der frischen Luft an den Tisch zum Abendessen sinkt, oder dass alle Hausaufgaben fein säuberlich erledigt in der Tasche stecken?

Ruhe im Kinder-Alltag: meine Tipps

 Ihr merkt also: wenn es zum Thema Entspannung und Ruhe bei Kindern kommt, muss man das Pferd oft von hinten aufzäumen und experimentierfreudig sein.

  • Überlege du dir, welche Werte für dich wichtig sind, damit du nicht aus Versehen (unterbewusst! Das passiert uns allen!) verlangst, dass dein Kind alles gleichzeitig hinkriegt. Manchmal können eben nur die Hausaufgaben oder der Sport Platz finden und es hilft, wenn du weißt, was deine Priorität wäre – auch wenn die Kinder natürlich ihren eigenen Kopf haben 😉 – wenn das so ist, dann solltet ihr auf jeden Fall in den Dialog gehen und darüber sprechen. Streit entsteht am häufigsten durch unausgesprochene, nicht in Erfüllung gegangene Erwartungen.
  • Findet gemeinsam heraus, was Stress bringt und wie dieser Stress momentan bewältigt wird (beispielsweise endloses Fernsehen oder Computerspielen). Sucht gemeinsam nach einer Lösung, die wirklich Entspannung bringt und nicht nur den Stress übertüncht.
    Schaut dann, was das Ziel ist und wie ihr Routinen und Sturktur anwenden könnte, um Freiheit und Ruhe zurück in den hektischen Alltag zu bringen.
  • Wenn dein Kind nachmittags am liebsten nur auf dem Sofa rumgammelt, dann animiere es, gemeinsam mit dir raus zu gehen: Badminton im Park, ein Spaziergang, gemeinsam auf den Spielplatz, eine Runde Fußball, Fahrrad fahren, Inliner fahren, … . Ich bin mir sicher, dass eure Beziehung von gemeinsamen, Entspannung bringenden Zeitfenstern im hektischen Alltag profitieren wird. Auch das könntet ihr ritualisieren. Und wenn es eben nicht jeden Tag klappt, dann vielleicht so: An den Tagen xy gehen wir gemeinsam nach dem Mittagessen spazieren.
  • Wählt Freizeitaktivitäten sinnvoll aus. Viel bringt nicht automatisch mehr, zumal jedes Kind anders ist. Während das eine Kind Stress beim Sport abbaut, braucht ein anderes Kind viel mehr Zeit für sich allein in Ruhe, um die Erlebnisse des Schultages zu verarbeiten.
  • Nimm deinem Kind Druck, indem du mit ihm gemeinsam priorisierst und dabei aufzeigst, dass nicht nur die Erfüllung der Pflichten wichtig ist, sondern dass eine bewusste und sinnvolle Erholung durch eine Mischung aus Ruhe und Bewegung genauso wichtig ist.
  • Lebe deinen Kindern vor, was du dir von ihnen wünscht. Du kennst bestimmt das Gefühl: Du kommst in einen Raum und ohne, dass ein Wort gesprochen wurde, weißt du sofort, dass dort „dicke Luft“ herrscht. Die Stimmung liegt förmlich in der Luft. So ist es auch in Familien. Wenn ein Familienmitglied gestresst ist, strömt diese Energie auf alle anderen über. Kinder haben besonders feine Antennen für solche Schwingungen.

In diesem Sinne werde ich euch und meinen Kindern jetzt ein gutes Vorbild sein, meinen Laptop zuklappen und mein Handy in die Handy-Garage parken. Jetzt ist Familienzeit!

Also: tief durchatmen, neugierig Reaktionen hinterfragen und so mehr Ruhe und Entspannung in den Alltag bringen! Und falls ihr Unterstützung dabei braucht, bin ich gerne jederzeit für ein Gespräch zu haben 🙂

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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1 Kommentar

  1. Martina

    So ein toller Beitrag, der mir aus der Seele spricht! Ruhe und Achtsamkeit im Familienalltag sind mir super wichtig und manchmal komme ich mir da in unserer Gesellschaft schon wie ein Alien vor. Dein Beitrag bestärkt mich nochmal in meiner Haltung. Danke dafür!

    Antworten

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