Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.

Zwischen Lichterglanz und Reizüberflutung: Wie du im Advent dein Nervensystem schützt – und deinem Kind das Wertvollste schenkst

12-2025 | Kinder, Lesen und Schreiben, Reflexintegration, Schule und Lernen

Jedes Jahr nehme ich mir wieder auf’s Neue vor, es endlich mal ruhiger angehen zu lassen im Dezember, damit ich nicht völlig auf dem Zahnfleisch die Ziellinie Heiliger Abend erreiche. Dabei habe ich prinzipiell verstanden, dass hier nicht das klassische Trainingsprinzip hilft, bei dem es gilt, die Fülle der Trainingsreize zu steigern, sondern dass es genau des Gegenteils bedarf.

In meinem Kopf schreit der Wunsch: „Diese Jahr genieße ich mit meinen Kindern die Vorweihnachtszeit und wir machen es uns richtig gemütlich zusammen an den Wochenenden mit viel Familienzeit. Schließlich ist die gemeinsame Zeit das Kostbarste, das wir neben Gesundheit haben und noch dazu begrenzt!“.

Doch in der Realität wird es dann doch wieder anders, WENN ich nicht bewusst auf mein Bauchgefühl nach Ruhe höre (und zum Beispiel konsequent keine 1:1 Coachings mehr im Dezember zulasse und nicht wirklich super streng priorisiere).

In meiner Mastermind-Gruppe habe ich dieses Jahr die Challenge ausgerufen: Wer wird die Dezember-Chill-Queen und kann uns in unserem letzten Meeting des Jahres eine Woche vor Weihnachten überzeugend erklären, warum ausgerechnet sie es sein soll, die diesen Titel durch einen Höchstgrad an Entspannung erhalten soll. Denn: Erwarten die Gesellschaft und unser innerer Kritiker nicht immer genau das Gegenteil von uns? „Wer nichts leistet, ist nichts wert!“. Also lautet meine Meßlatte an die Teilnehmerinnen: Wer fühlt sich auf einer Skala von 0-10 am wenigsten gestresst?

Wie schön wäre es, wenn diese Challenge auch in der Schule stattfände, statt „noch schnell“ in jedem Fach eine Klassenarbeit reinzuquetschen neben Weihnachtsnachmittag und all den anderen Dezember-Aktivitäten.

Weihnachtsbäckerei

Adventszeit: Wenn die Natur leiser wird – und wir lauter

Denn, ist es nicht paradox? Draußen wird es leiser. Die Bäume haben ihre Blätter abgelegt, viele Tiere ziehen sich zurück, die Natur fährt spürbar herunter und meine Schildkröte ist schon seit Ende Oktober abgetaucht (wie oft habe ich mir schon gewünscht, ihr gleichtun zu können!).

Doch wir Menschen? Wir drehen im Dezember oft noch mal so richtig auf.

Wir planen Weihnachtsfeiern, organisieren Adventsbasteln und Weihnachtskränze-flechten, hetzen über Weihnachtsmärkte, kaufen Geschenke, schreiben Weihnachtskarten, verpacken Geschenke, backen Plätzchen, treffen jeden Bekannten, als wäre es die letzte Chance im Leben … und all das unter ziemlich viel Zeitdruck und mit wenig Muse.  Der Dezember, der im Außen so still wirkt, ist oft der lauteste Monat in unserem Inneren.

Viele Eltern spüren sehr klar: „Eigentlich würde uns Rückzug gerade so gut tun.“

Wer hat sie nicht, diese Sehnsucht nach Gemütlichkeit? Gemeinsam Tee trinken bei Kerzenschein und Weihnachtsduft, lesen, Geschichten erzählen, zusammen einkuscheln, alles von allem ein bisschen langsamer und weniger und es der Natur gleichzutun.

Ja, das sind Klischees – aber oft sind sie genau das, wonach unsere Seele ruft und was so wichtig für uns wäre. Auf die innere Stimme zu hören fällt schwer, wenn die Stimmen von außen doch alle viel lauter sind.

Warum der Dezember so anstrengend sein kann

Hinzu kommt: Der Dezember ist meistens kein „normaler“ Monat. Er ist vollgestopft mit Besonderheiten:

  • Adventssingen, Weihnachtsfeiern, Nikolaus, Wichteln
  • extra Süßigkeiten, Zucker, spätes Zu-Bett-Gehen
  • laute Musik in Geschäften, volle Innenstädte, blinkende Deko

Gerade feinfühlige oder reizoffene Menschen reagieren darauf oft mit innerem Stress. Sie spüren jede Stimmung, jeden Ton, jedes „zu viel“. Leider häufig ohne zu wissen, warum sie so gereizt oder erschöpft sind.

Kinder können das noch viel weniger einordnen. Sie zeigen es auf ihre Weise: Sie drehen völlig auf, sie reagieren aggressiv oder weinen schnell, sie sind „drüber“, kommen schlecht runter, schlafen unruhig.

Und viele Eltern fragen sich dann: Was ist denn jetzt los mit meinem Kind?“

Dabei ist oft genau das passiert: Das Nervensystem ist überlastet.

Wenn sich Eltern aus unserem Rexi Rockstars Eltern-Kind-Kurs zur Reflexintegration während dieser Zeit an uns wenden, weil ihr Kind außer Rand und Band ist, raten wir ihnen zu den Basis Rexi-Übungen, die das Nervensystem beruhigen: Schaukelübungen und jene, die die Integration des Moro Reflexes anregen. Denn besonders bei hochsensiblen und reizoffenen Kindern, also jenen, denen der Dezember besonders zusetzt, kann sich der Moro Reflex unter diesen Bedingungen reaktivieren.

So sind die Rexi-Übungen nicht nur als Momentaufnahme, sondern vielmehr als lebenslanges Kompendium nützlich.

Weihnachtsbäckerei

Konsum als Ersatz – Geschenke gleichen fehlende Zeit nicht aus

Ein weiterer Punkt, der im Dezember gerne belastend mitschwingt: Das schlechte Gewissen vieler Eltern.

Vielleicht kennst du Gedanken wie:

  • „Ich war dieses Jahr so viel arbeiten.“
  • „Ich war oft gestresst und nicht so geduldig, wie ich sein wollte.“
  • „Ich habe meinem Kind so oft später gesagt.“

Und dann kommt Weihnachten und mit ihm die Möglichkeit, „es wieder gut zu machen“. Mehr Geschenke, größere Überraschungen, noch ein „Highlight“. Man glaubt, dem Kind durch ein besonders teures Geschenk zeigen zu können, wie wertvoll man es findet.

Ich verstehe dieses Bedürfnis sehr. Und gleichzeitig bin ich überzeugt: Materielles kann fehlende echte Zeit, emotionale Präsenz und innere Ruhe nicht ersetzen. Im Gegenteil: Ein „zu viel“ macht es den meisten Kindern schwerer, nicht leichter.

Im Grunde wissen wir das alle. Umso mehr sollten wir es uns immer wieder bewusst machen, denn das Außen verschleiert das immer wieder.

Ein erster konkreter Schritt: ein Termin weniger, ein Abend mehr

Statt dich zu verurteilen, kannst du dir eine liebevolle, ganz praktische Frage stellen: „Was ist eine winzige Veränderung, die uns im Dezember wirklich gut tun würde?“

Zum Beispiel:

  • Du entscheidest dich bewusst, eine Einladung abzulehnen. Statt zur dritten Weihnachtsfeier in einer Woche zu fahren, bleibt ihr zu Hause, macht euch einfache Abendbrote, schaut gemeinsam ein Bilderbuch an oder hört Musik.
  • Du gehst mit deinem Kind auf den Weihnachtsmarkt – aber ihr habt vorher vereinbart: ein Karussell, ein Getränk, einmal schauen, dann nach Hause. Du achtest nicht auf „Wir müssen das aber ausnutzen“, sondern auf den Moment, in dem ihr beide satt und müde seid – und dann geht ihr.
  • Du führst einen wöchentlichen „Familien-Abend ohne Termine ein: Handy weg, keine Verabredungen, nur ihr. Vielleicht ein Ritual wie „Highlight des Tages erzählen“, ein kleines Spiel, eine Massagegeschichte.

Solche Entscheidungen sind nicht egoistisch – sie sind achtsam. Du traust dich, dein Nervensystem und das deines Kindes wichtiger zu nehmen als Erwartungen von außen.

Methoden, die das Nervensystem regulieren

 

Es gibt viele kleine Werkzeuge, die du im Alltag nutzen kannst:

  • Atmung: Mehrmals am Tag bewusst tief ein- und lang ausatmen. Kinder kannst du spielerisch mitnehmen: eine Kerze auspusten, „Heißluftballon“ spielen, gemeinsam Atmen, wobei einer den ruhigen Atemrhythmus vorgibt und der andere diesem folgt.
  • Bewegung: Hüpfen, schaukeln, sich in eine Decke einrollen, rollen wie ein Igel – das sind nicht nur Spiele, sie helfen auch, Spannungen im Körper abzubauen. Genauso gut ist ein einfacher Spaziergang, der in der Dämmerung besonders winterlich und gemütlich sein kann. Danach rein in die gute Stube und eine Tasse Tee zum Aufwärmen kochen.
  • Sinnesreduktion: Abends Licht dimmen, Musik leise, Screens aus, gemeinsame ruhige Beschäftigung (lesen, malen, puzzeln).

Und dann gibt es Reflexintegration, die noch tiefer ansetzt.

Frühkindliche Reflexe sind Bewegungsmuster, mit denen wir auf die Welt kommen. Sie helfen uns in den ersten Lebensmonaten beim Überleben und bei der Entwicklung. Wenn sie jedoch später nicht ausreichend integriert sind, kann das Nervensystem dauerhaft „auf Habacht“ stehen.

Rexi Training setzt genau hier an: Mit gezielten Bewegungsübungen unterstützt du dein Kind dabei, diese Reflexe nachzureifen und besser zu integrieren. Das kann dazu beitragen, dass dein Kind:

  • sich besser regulieren kann
  • ruhiger und konzentrierter wird
  • sich im eigenen Körper wohler fühlt

Viele Eltern berichten, dass ihr Familienalltag durch Reflexintegration langfristig entspannter wird, weil die Basis stabiler ist und nicht, weil „alles perfekt“ ist.

Schenken, was wirklich bleibt: Zeit, Verbundenheit und ein gemeinsames Projekt

Wenn wir über Weihnachtsgeschenke sprechen, geht es oft um Dinge. Aber das Wertvollste, was du deinem Kind schenken kannst, lässt sich nicht einpacken: Deine Zeit, deine liebevolle Präsenz und deine Bereitschaft, mit ihm gemeinsam zu wachsen

Stell dir vor, du würdest dieses Jahr sagen:

„Ich schenke meinem Kind (und mir) etwas, das unseren Alltag langfristig leichter macht.“

Das könnte zum Beispiel sein:

  • ein Jahr, in dem ihr euch bewusst mehr Rückzugsmomente erlaubt.
  • kleine Rituale, die euch verbinden (jeden Abend Kuschel- und Rexizeit, ein Gute-Nacht-Gespräch).
  • oder gar der Einstieg ins Rexi Rockstars Training zur Reflexintegration als gemeinsames Projekt. Ja! Auch Erwachsene profitieren von einem Reflexintegrationstraining und viele Eltern machen den Kurs aktiv gemeinsam mit ihren Kindern.

Reflexintegration ist kein „Schnell-mal-eben“- Programm. Aber genau das ist seine Stärke: Die Effekte können nachhaltig und langfristig sein und das weit über die Adventszeit hinaus.

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Dein nächster Schritt: Einladung in meinen Workshop

Wenn du spürst: „Ja, das spricht mich an. Ich möchte mehr darüber wissen, wie ich mein Kind auf nervensystemischer Ebene unterstützen kann“, dann lade ich dich herzlich in meinen kostenlosen, viertägigen Onlineworkshop ein.

In diesen vier Tagen erfährst du … was frühkindliche Reflexe sind, wie sie Verhalten, Emotionen und Lernen beeinflussen können, wie das Rexi Rocktars Training zur Reflexintegration funktioniert und wie du selbst einschätzen kannst, ob Reflexintegration für dein Kind sinnvol sein könnte.

Du bekommst einen Einblick, der dir hilft, besser zu verstehen, was in deinem Kind – und vielleicht auch in dir – im Dezember (und darüber hinaus) passiert. Und du erfährst, wie du Schritt für Schritt mehr Ruhe und Stabilität in euren Alltag bringen kannst.

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    Workshop Reflexintegration


    Dein Kind trägt mehr, als du denkst.

    Vier inspirierende Tage voller Wissen, Verständnis und praktischer Impulse: Lerne, was hinter den Herausforderungen deines Kindes steckt, und entdecke neue Wege zu mehr Leichtigkeit in eurem Familienalltag.

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    Ich bin Silke Krämer.

    Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

    Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

    Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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