Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.

Wir fühlen uns besser, wenn wir Konflikte lösen

Menschen sind soziale Wesen und alleine nicht überlebensfähig. Spätestens seit dem tragischen Fall Kaspar Hauser wissen wir, dass Babys und Kleinkinder durch Nachahmung lernen und eine lebendige Bindungsperson brauchen, die ihnen eine angemessene Reaktion auf Erfahrungen spiegelt.

So erlernen sie alle sozialen und emotionalen Fähigkeiten, um als Mitglied in einer Gemeinschaft bestehen zu können. Die Gemeinschaft bietet Sicherheit und Schutz – zumindest evolutionär betrachtet.

Darum ist es nur verständlich, dass Menschen nach Zuneigung, Bestätigung und Anerkennung streben, um ihren Platz in der Gesellschaft zu sichern. Wird dieser Platz durch Konflikte gefährdet, hat das weitreichende Auswirkungen auf das Wohlbefinden.

Wie entstehen Konflikte?

Jeder hat von seinen Eltern gewisse Vorstellungen mitbekommen, wie alles zu sein hat. In stressigen Lebenssituationen drängen sich diese Vorstellungen in den Vordergrund, weil sie ein Gefühl von Sicherheit geben; quasi etwas, an dem wir uns entlang hangeln können.

Wenn man allerdings in mehreren Lebensbereichen nach so einer festen Vorstellung lebt, dann lässt man sich irgendwann gar nicht mehr so richtig auf das Leben ein, weil man immerzu damit beschäftigt ist, seine Vorstellungen zu realisieren.

Daraus entsteht ein Konfliktpotential, weil ja jede Person – also auch die anderen – ihre eigenen Vorstellungen mitbringen. So prallt die „Vorstellung“ von Person A auf die „Vorstellung“ von Person B.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 1

Wo kommen meine Vorstellungen her?

Kinder wollen spielerisch ausprobieren und die Welt entdecken. Es ist ein tolles Gefühl und motivierend für ein Kind, durch das eigene Tun und Handeln ein Stück weit herausgefunden zu haben, wie die Welt funktioniert.

Beispielsweise, den Bauklötzchenturm so stabil zu bauen, dass er hoch wird. Wenn ein Kind das geschafft hat und das Ergebnis abends stolz seinem Papa zeigen möchte, der aber so in seiner eigenen Vorstellung gefangen ist, wie es zu sein hat, und antwortet: „Ja gut, aber schau mal, wenn du jetzt noch die Steine hier hin baust und da die Mauer verstärkst, dann kannst du den Turm noch stabiler und noch höher bauen!“.

Wie fühlt sich wohl so ein Kind?

Es fühlt sich, als genüge seine Leistung nicht, als würde der Papa es nicht anerkennen, weil er es besser weiß.

Es ist verletzt und fühlt sich nicht als die Person gesehen und wertgeschätzt, die es ist und gerne sein möchte.

Denn Papa hat gesagt, wie es noch besser geht… in seinen Augen.

Oder wenn man dem Kind das Gefühl gibt: Du kriegst meine Liebe, aber nur, wenn du dich meinen Erwartungen entsprechend verhältst, du ein guter Schüler bist, du alle Hausaufgaben direkt nach der Schule machst, dein Zimmer ordentlich hältst, keinen Wutanfall bekommst, dich beim Essen nicht so tollpatschig anstellst usw.

Wenn man als junger Mensch so behandelt wird, entsteht eine innere Unruhe, die sich immer weiter ausbreitet und auch körperlich wird. Man fühlt sich nicht mehr verbunden.

Irgendwann versucht das Kind dann das Gefühl den Eltern zurück zu geben, indem es die Situation umdreht. Es behandelt die Mama oder den Papa dann so, wie es sich selbst behandelt fühlt und unterdrückt das Bedürfnis, mit Mama oder Papa verbunden zu sein. Das findet alles auf einer unbewussten Ebene statt.

Dann entstehen so Sätze wie „Blöde Mama“ oder „Dann zieh ich halt einfach aus“ oder „Ich hab dich eh nicht lieb“.

Auf Eltern wirkt diese Reaktion meist sehr unreif und unkontrolliert. Die Schlussfolgerung ist, dass sie glauben, ihr Kind könne seine Emotionen nicht kontrollieren. Die Eltern waren sich dessen, was zur Anbahnung dieser Aussagen geführt hat, gar nicht bewusst. Der Papa aus obigem Beispiel hat es nur gut gemeint und wollte seinem Kind zeigen, wie es noch besser geht. Dass er es dabei erniedrigt haben könnte, kam ihm gar nicht in den Sinn.

Eine andere Reaktion eines Kindes könnte auch sein, dass es sich selbst zum Objekt macht, indem es sagt: „Ich kann keine Bauklötzchentürme bauen, ich kann Mathe nicht, ich bin eh der Blödeste, ich bin es gar nicht wert geliebt zu werden, am besten wäre es, mich gäbe es gar nicht mehr, dann habt ihr keine Sorgen mehr“.

Einer dieser beiden Lösungswege verankert sich im Gehirn.

Also entweder, sich dem andern gegenüber immer durchsetzen zu müssen und hart nach außen zu sein oder sich selbst als Opfer und Objekt zu sehen.

Die Verletzungen bilden die innere Haltung und stabilisieren diese Vorstellung. Andere Vorstellungen, die sich aus Verletzungen entwickeln, könnten lauten:

„Ich muss meine eigenen Bedürfnisse zurückstellen und immer allen helfen, um Anerkennung zu bekommen“.

„Ich muss super ordentlich sein, um Anerkennung zu bekommen“.

Diese Übertriebene Ordnungsliebe kann dann schon fast manisch wirken

Die Vorstellung, wie ich in der Gemeinschaft sein muss

Wie schon oben erwähnt, wollen Menschen Teil der Gemeinschaft sein, weshalb die sozialen Netzwerke hoch im Kurs stehen. Dort scheint die Jagd nach Likes und bestätigenden Kommentaren so unermüdlich wie nirgendwo anders zu sein.

Je mehr, desto besser und je mehr, umso größer wächst das Verlangen nach noch mehr. Das führt bei Jugendlichen zu großem Erfolgsdruck.

Wettstreit und Vergleiche mit anderen entstehen, was zu inneren Konflikten führen kann.

Junge Menschen fühlen sich abgelehnt, entwickeln Selbstzweifel und kultivieren daraus ein Konkurrenzdenken. Doch dass das gar nicht die ‚richtige‘ Anerkennung ist, aus der sich im Notfall Rückhalt und fürsorgliche Zuwendung schöpfen ließe, verlieren sogar Erwachsene immer mehr aus dem Blick. Dabei entfernt sich das Individuum zunehmend von sich selbst. Es verliert sich im Sog der Forderungen und gesellschaftlichen Richtlinien.

Doch selbst, wenn man sich über die trügerische Welt im Klaren ist, fällt es dennoch schwer, zwischen oberflächlicher Anerkennung und wahrer Liebe zu unterscheiden. Der Wunsch, dazu zu gehören, lässt einen oft Dinge tun, die einem gar nicht guttun.

Das alltägliche Hamsterrad hat einen fest im Griff. Man rennt schneller und schneller und fordert zunehmend mehr von sich. Daraus entwickelt sich eine allgemeine Strenge. Man wird härter zu sich und auch von anderen.

Diese eine bestimmte Vorstellung im Kopf möchte man realisiert wissen.

Was haben diese Vorstellungen mit Konflikten zu tun?

Eine dieser Vorstellungen bringt man in den Konflikt mit hinein. Die eigene Vorstellung ist möglicherweise eine ganz andere, als beispielsweise die des Gegenübers oder des eigenen Kindes (das im Idealfall noch gar keine dieser Vorstellungen hat, sondern völlig rein ist. Im menschlichen Miteinander entwickeln sie sich allerdings bei den meisten Menschen.).

Doch eigentlich mag man in solch einer Konfliktsituation nicht den anderen Menschen nicht, sondern die Vorstellung, die er hat.

Emotional lässt sich das nicht trennen. Und schränkt einen beim Konflikte lösen ein.

Vor allem ein Kind bekommt dadurch schnell das Gefühl, von den eigenen Eltern nicht geliebt zu werden. Es fühlt sich abgewiesen und unverbunden. Ein inkohärentes Gefühl entsteht.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 2

Bild von Gerd Altmann

Konflikte lösen durch ein kohärentes Selbstbild

Wenn man Herausforderungen als kohärent – also stimmig – einschätzt, entsteht ein Gefühl der Selbstwirksamkeit, die eine essentielle Voraussetzung für Resilienz ist. Je widerstandsfähiger ein Mensch ist, umso besser kommt er in schwierigen Situationen klar. Kohärenz ist ähnlich wie das Urvertrauen: Je ausgeprägter es ist, umso besser kommt ein Mensch mit Herausforderungen klar.

Fühlt sich ein Kind inkohärent, beginnt der ganze Kreislauf, den schon die Eltern durchlaufen haben, von vorne. Denn auch das Kind strebt nach Bindung und Zugehörigkeit. Es versucht alles dafür zu tun, damit kein Bindungsabbruch stattfindet. 

Lebt der Erwachsene jedoch mit so einer festen Vorstellung in seinem Kopf, dann liegt sein Fokus so stark auf der Umsetzung dieser Vorstellung, dass er nicht mehr feinfühlig und empathisch auf sein Kind oder Gegenüber reagieren kann. Dann passiert es leicht, dass er oder sie zum Anführer, zum Kontrolleur, zum Aufräumer oder zum Überängstlichen wird.

Darum hilft auf jemanden einzureden nicht beim Konflikte lösen

Wenn das Gehirn einmal gelernt hat, dass eine Lösungsstrategie „Erfolg“ hatte, dann verfestigen sich diese Strukturen im Gehirn. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Lösung funktioniert. Das führt dazu, dass sich die innere Unruhe abbaut, weil der inkohärente Zustand dann kohärent wirkt. Das setzt im Mittelhirn Botenstoffe frei, die diese Vorstellung fest im Gehirn verankert. Diese festen Überzeugungen können manche Menschen nicht loslassen. Auch dann nicht, wenn immer wieder jemand kommt und sie infrage stellt. So lassen sich keine Konflikte lösen.

Bestimmt hast du dir diesen Satz schon einmal selbst gesagt: „Ich weiß ja eigentlich, dass ich das nicht machen sollte, aber ich kann nicht anders“.

Auf der kognitiven Ebene verstehen die Menschen meist recht schnell, was das Problem ist. Doch ist unsere feste Vorstellung nicht in der selben Hirnregion gespeichert, die uns das Problem verstehen lässt. Folglich hilft das Verstehen nicht unmittelbar bei der Lösung. Es lässt uns lediglich erkennen, dass ein Problem vorliegt und eine Lösung dafür her muss.

Denn sonst würde man sich ja nicht immer wieder den selben Satz sagen hören, obwohl man doch weiß, dass er nicht hilfreich ist. Und es würde nie jemand Schläge weiter geben, der selbst Opfer von Schlägen war und weiß, wie schlimm Schläge sind und dass sie nicht helfen, sondern ganz viel Schaden anrichten.

Eine Vorstellung muss auf einer anderen Ebene gelöst werden als auf der, die einen die Situation erkennen lässt.

Das Auf-den-Menschen-Einreden, hilft nicht beim Konflikte lösen. Wir können einen anderen Menschen nicht durch Reden verändern. Wenn das einer versucht, macht er genau das gleiche, was damals als Kind passiert ist und das Ganze ausgelöst hat. Das, was zu dieser Vorstellung geführt hat, wiederholt sich. Beim nächsten Konflikt geht es wieder von vorne los.

Mediatoren und Konfliktmanager können durch Reden höchstens eine temporäre Verhaltensänderung bewirken. Aber der Mensch ändert sich dadurch nicht dauerhaft, da eine andere Gehirnregion durch das Gespräch angesprochen wird als die, in der die „Vorstellung“ gespeichert ist. Manchmal kann die Verhaltensänderung dann funktionieren, wenn sie durch eine Belohnung verstärkt wird, wie zum Beispiel Zuwendung. Das ist aber keine Verhaltensänderung, sondern Anpassung, beziehungsweise Konditionierung und leider meist nur temporär.

Wie kann man sein Kind dabei unterstützen, keine negativen festgefahrenen Vorstellungen zu entwickeln?

Wie kann sich also eine derartige Vorstellung, der man selbst zum Opfer geworden ist, auflösen? Mamas und Papas lieben ihre Kinder und möchten, dass sie das ebenso fühlen.

Leider verhindert die eigene festgefahrene Vorstellung das in Konfliktsituationen und behindert uns beim Konflikte lösen. Es geht nur um die Vorstellung, statt um die andere Person. Dabei sollte man doch alles dafür tun wollen, dass sich das Gegenüber nicht weiter fest fährt, sondern ihm aus dem Problem raus helfen wollen – erst recht, wenn man es liebt, so wie das eigene Kind.

Genau das kann man nur durch liebevolle Zuwendung zum Ausdruck bringen. Nicht durch Belehrung.

Man muss nach einer Möglichkeit suchen, durch die das Kind einen inneren Weg findet, anders mit der Situation umzugehen, als es das bisher getan hat.  Denn: Es kann sich jemand nur ändern, wenn er sich ändern will. Die Gratwanderung zwischen Belehrung und Erziehung ist schmal. Vielmehr ist in meinen Augen Erziehung als liebevolle Begleitung zu verstehen.

Es gibt ein schönes Sprichwort, das lautet: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Es wächst nur dann schnell, wenn es die perfekten Bedingungen vorfindet. Für Gras sind das wohl ausreichend Wärme, Licht und Nährstoffe. Für unser Kind ist es eine liebevolle Umgebung. Ich kann eine andere Person (mein Kind, meinen Partner) also nur dazu bringen, sich verändern zu wollen, wenn der neue Zustand für diese Person attraktiver wirkt als der jetzige. Nicht, indem ich sie er-ziehe. 

Eltern dürfen nicht nur wollen, dass sich ihr Kind verändert, sondern auch der Erwachsene muss sich verändern, damit sich der Konflikt lösen kann. Er muss sich von seinen Vorstellungen verabschieden.

Nur weil etwas durch die eigene Brille betrachtet als das Richtige scheint, heißt es noch lange nicht, dass es richtig ist.

Nur, weil der Erwachsene erwachsen ist, bedeutet das nicht, dass er mehr im Recht ist.

Vielmehr, dass der Erwachsene die Kontrolle, seinen Ordnungswahn, seine Anführer-Rolle oder seine Ängstlichkeit loslassen muss.

Konflikte lösen: So gelingt's auf friedvolle Weise 3

Nur Mut: Vorstellungen loszulassen ist nicht einfach und doch möglich

Doch was hält einen davon ab loszulassen?

Will man sich verändern, bedeutet es, Gewohntes, Bekanntes und Sicherheit Gebendes infrage zu stellen, aufzugeben und loszulassen.

Dafür braucht man Mut.

Was macht Menschen mutig?  Redet dir jemand von unten auf dem 10 Meter Brett gut zu, wirst du dennoch nicht springen, wenn du panische Angst davor hast.  Wenn du aber dein Kind aus dem brennenden Haus retten möchtest, springst du auch aus dem dritten Stock – ohne, dass dich jemand kognitiv durch reden überzeugen muss.

Mut entsteht also von alleine, wenn man merkt, dass etwas getan werden muss, weil es sonst Schaden nimmt.

Dann überlegt man gar nicht mehr.

Man braucht keine Kognition, um das sich in Lebensgefahr befindende Kind zu retten.
Diesen Mut kann man also nur einer anderen Person gegenüber aufbringen, der man sich innerlich tief verbunden fühlt.

Genau diese tiefe Verbindung muss man vor allem in der Konfliktsituation spüren. Der Schlüssel für die große Veränderung ist Verbundenheit.

Verbundenheit ist der Schlüssel zum Konflikte lösen

Das klingt einfach, denn schließlich fühlt man sich seinem Kind doch verbunden. Zumindest meinen wir das. Dennoch können es die Kinder nicht immer fühlen, so wie in den oben beschriebenen Beispielen. Dann, wenn wir uns nämlich in unserer Vorstellung verrannt haben.

Vielleicht hattest du diese Gedanken auch schon einmal:

  • Wenn mein Kind schlechte Noten schreibt, wird es einen schlechten Schulabschluss machen und ein unglückliches Leben führen.
  • Wenn ich nicht dafür sorge, dass mein Kind immer alle Hausaufgaben richtig gemacht hat, bin ich eine schlechte Mutter.
  • Wenn mein Kind keine Ordnung in seinem Zimmer hält, wird aus ihm nie ein ordentlicher Mensch mit einem geregelten Leben werden können.

In den Momenten, in denen man nur diese eine innere Stimme hört, ist man nicht mit sich selbst verbunden und folglich auch nicht mit seinem Gegenüber.

Damit dein Kind (oder jemand anderes) sich mit dir verbinden möchte, musst du mit dir selbst verbunden sein.

Wie kannst du das schaffen?

Indem du Dinge tust, die dir guttun, wird die innere Verbindung hergestellt. Das fängt bei kleinen Dingen an, wie dem allabendlichen Fernsehprogramm. Frage dich, ob dir der Fernsehabend guttut. Ob du dich danach gut fühlst. Und wenn nicht, dann frage dich, was du stattdessen brauchst. Vielleicht ist es Musik hören, alte Fotos anschauen, einen Familienfoto-Band erstellen, spazieren gehen, ein Buch lese oder einfach nur in Stille eine Tasse Tee trinken.

Tue etwas, wobei dein Herz sich freut.

Bleibe nicht im Alltagshamsterrad gefangen nur, um den Alltag abzuarbeiten. Frage dich immer wieder: Tut mir das gut, was ich gerade tue? Wenn nein, dann lass es doch einfach! Gehe nicht mit einer Bekannten Kaffeetrinken, nur weil sie schon dreimal gefragt hat und du dich verpflichtet fühlst. Schaue nicht die Serie, nur weil dein Partner sie liebt, du dich danach aber jedes Mal gestresst fühlst. Bleibe nicht in alten Mustern hängen. Iss nicht mit Menschen, in deren Gegenwart du dich nicht wohl fühlst. Dafür braucht man auch keine großen Zeit Ressourcen.

Es kommt auf viele kleine Entscheidungen an. Einfach mal raus, einfach mal etwas anderes machen – tue es einfach trotzdem, auch wenn du denkst, du kannst nicht.

Jedes Kind schon hat ein natürliches Bedürfnis nach Autonomie, das hat nichts mit Egoismus zu tun und du solltest dich nicht schlecht fühlen, weil du Dinge tust, die dir gut tun.

Den Frieden wird man nie im Konflikt selbst finden, sondern dadurch, dass man sich wieder mit sich selbst verbinden kann. Es muss das lebendige Gefühl in einem erweckt werden, das man als Kind schon unterdrücken musste.

Du fragst dich, wann du auch dafür noch Zeit finden sollst?

Selbst unter den ungünstigsten Bedingungen kann man etwas tun, was einem gut tut. Statt zum Beispiel andere zu belehren, sollte man sich besser um sich selbst kümmern. Selbst, wenn du anderen „hilfst“, indem du sie verändern willst, hast du nicht deine Bedürfnisse gestillt, sondern folgst einer Vorstellung, dass es so gehen müsse.

Letztendlich gehst du dadurch in den Konflikt, du spürst dich selbst nicht mehr, weil du im Außen bist. Du bist nicht mehr liebevoll mit dir verbunden. Wenn du liebevoll zu dir bist, dann stillst du dadurch deine Bedürfnisse. Man ist dann kein Bedürftiger mehr und nicht von der Anerkennung anderer abhängig.

Wenn man beginnt, liebevoll zu sich selbst zu sein, verschwinden die Bedürftigkeiten. Man kann stattdessen anderen etwas schenken.

Man kann dem anderen die Liebenswürdigkeit schenken, die man in sich selbst gesät hat, gehegt und gedeihen ließ.

Dir wird es auf einmal leichtfallen, dein Kind mit seiner schlechten Note anzunehmen, dein Kind sich in seinem Chaos wohl fühlen zu lassen, dein Kind nicht durch deine Ängstlichkeit zu bremsen, sondern es selbstbewusst in die Welt ziehen zu lassen.

Der eigentliche Konflikt findet dann auf einer ganz anderen Ebene statt. Wenn du liebevoller mit dir bist, wirst du auch liebevoll mit anderen sein können. Und leichter Konflikte lösen.

Vielleicht denkst du jetzt, „aber dadurch lassen sich doch nicht die Hausaufgaben Probleme meines Kindes lösen!“. Und ich sage: Doch! Denn vielleicht hast du nur noch nicht genug Fantasie, um dir eine andere Lösung vorzustellen.

Was kannst du also tun?

Stelle deinen Rucksack ab, der voll gepackt ist mit Vorstellungen, die du dir im Laufe deines Lebens angeeignet hast (meist im Umgang mit deinen eigenen Eltern), lasse ihn stehen und ziehe weiter. Du darfst loslassen.

Wer einen liebevollen Umgang mit sich selbst gefunden hat, der muss nicht länger recht haben.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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4 Kommentare

  1. Regina Hackl

    Deine emails sind sooo unendlich hilfreich und impulsgebend! Auch für 70-jährige alte Ehepaare, die immer wieder in ihre alten Streitmuster verfallen.

    Antworten
    • Silke Krämer

      Liebe Regina,
      oh wie schön ist das denn! Das freut mich so sehr, was du schreibst. Ich danke dir für diese Rückmeldung.
      Liebe Grüße
      Silke

      Antworten
  2. Nadja Jauß

    Liebe Silke,
    soeben habe ich dein Beitrag zur Konfliktlösung gelesen. Du berührst jedes Mal aufs Neue mein Herz mit deiner Sichtweise und deinen Worten. Ich finde Mama zu sein ist das schönste und anstregendste zugleich.
    Durch den Alltag verliert man leider das wesentliche aus den Augen, nämlich dein Kind so anzunehmen, wie es ist. Ein Kind entwickelt eine Störung weil es in seiner Entwicklung „gestört“ wird.
    Ich dachte immer das mich die Schule nicht aus dem Gleichgewicht bringt, aber ich wurde mit der Realität konfrontiert.
    Mein Sohn hatte die Lust am lernen verloren, der natürliche Instinkt, was jedes Kind hat. Durch den Leistungsdruck was natürlich auch wir Eltern dazu beitragen, weil von den Lehrern die Info kommt, wie was zu sein hat.
    Mein Sohn benennt es, das er es jedem recht machen muss.
    Und keine Zeit ist um Spaß am lernen zu haben.
    Jetzt habe ich ein intelligentes Kind, das sein eignes Lerntempo hat und mir die Lehrerin sagt, ich soll ihn auf ADS untersuchen lassen!
    Wo ist hiermit die Individualität?
    Muss es gleich einen Stempel bekommen?
    Ich sagte immer, dass mein Kind kein Projekt sein sollte dass ich es begleiten werde auf seinem Weg. Die Realtät ist, dass mein Sohn ein Projekt geworden ist, überall muss rumgefeilt werden, damit er in diese scheinbar tolle Gesellschaft passt und nicht auf der Hauptschule landet, weil seine Lehrer sagen, dass er dem Unterricht nicht folgen kann weil er unkonzentriert ist und an Schwierigkeiten schnell zu früh aufgibt.
    In diesem Sinne danke ich ihnen liebe Frau Krämer für den Beitrag und die neue Sichtweise auf die Situation.
    Mit herzlichen Grüßen,
    Nadja Jauß aus Heidelberg

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    • Silke Krämer

      Liebe Nadja,
      ich danke Ihnen von Herzen, dass Sie Ihre Geschichte teilen, denn damit helfen Sie anderen Müttern und geben ihnen Mut. Ich wünsche Ihnen weiterhin ganz viel Erfolg dabei, Ihren Sohn nicht zum Projekt werden zu lassen, sondern ihn auf Augenhöhe liebevoll zu begleiten und für ihn da zu sein, wenn er Sie braucht. Das ist das größte Geschenk, das wir unseren Kindern machen können.
      Herzliche Grüße
      Silke

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