Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.

”Nee!“ – Wie du dein Kind in der Pubertät motivieren kannst

07-2026 | Kinder, Familie, Jugendliche, Reflexintegration, Schule und Lernen

Machst du heute noch deine Übungen? Deine Aufgaben?” – Ein Augenrollen. Ein genervtes “gleich.” Oder direkt ein deutliches: “Nee!”

Wenn dein Kind inzwischen in der Pubertät angekommen ist, kennst du solche Situationen vielleicht: Warum wird alles, was früher gut funktioniert hat, inzwischen zum Kampf? Warum muss ich mein Kind ständig motivieren?

Ja, wir wissen alle, dass die Pubertät unsere Kinder verändert, doch muss es doch irgend einen Schlüssel dafür geben, der den Familienalltag wieder leichter werden lässt! Ob unter den besonderen Bedingungen der Pubertät oder ganz allgemein, ist und bleibt das Thema Motivation ein Dauerbrenner.

Auch wenn ich mich in diesem Artikel überwiegend auf Jugendliche beziehe, lassen sich viele Gedanken ebenso auf jüngere Kinder oder gar Erwachsene übertragen, insbesondere auf autonomiestarke jüngere Kinder.

Die Pubertät ist eine Zeit, in der sich Jugendliche Schritt für Schritt von ihren Eltern lösen. Sie möchten eigene Entscheidungen treffen, ihre Persönlichkeit entwickeln und ihren eigenen Weg finden. Genau deshalb funktionieren viele Strategien, die bei Grundschulkindern noch gut geklappt haben, plötzlich nicht mehr.

Das mag frustrierend sein. Gleichzeitig eröffnet es die Chance, deinem Kind auf eine neue Art zu begegnen und zu begleiten.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass das Bedürfnis nach Nähe und Verbundenheit in der Pubertät mindestens genauso groß ist, wie in den ersten Lebensjahren, es sich nur anders zeigt. Ein pubertierender Junge möchte vielleicht nicht mehr von seiner Mama bekuschelt werden und ein Mädchen nicht mehr vom Papa. Das Bedürfnis nach Verbundenheit bleibt dennoch bestehen.

Gerade deshalb bietet das Training zur Reflexintegration eine wunderbare Möglichkeit, Zeit gemeinsam zu verbringen, ohne sich „zu nahe“ sein zu müssen. Man hat etwas gemeinsam zu tun, ist beisammen und muss dabei nicht einmal viel reden. Ist das nicht ausgesprochen pubertätsfreundlich?

Wie verändert sich Motivation in der Pubertät?

Kleine Kinder machen vieles, weil Mama oder Papa sie dazu auffordern. Sie genießen die gemeinsame Zeit oder vertrauen darauf, dass ihre Eltern wissen, was gut für sie ist.
Jugendliche haben sich weiterentwickelt. Sie möchten verstehen, ernst genommen werden und zunehmend selbst entscheiden … und das oftmals genau anders, als wir Eltern es tun würden.

Das geschieht nicht, um uns zu ärgern, sondern es ist ein wichtiger Entwicklungsschritt auf dem Weg zum Erwachsensein. Unsere Aufgabe besteht nun weniger darin, Entscheidungen abzunehmen, sondern vielmehr darin, sie zu begleiten.

Eine Szene aus unserem Familienalltag zeigt das ganz gut:
Ich frage unseren Sohn, ob er denn diese Woche eigentlich schon Gitarre geübt hat. Die Frage an sich ist schon ein Anfängerfehler, der mir nicht hätte passieren dürfen, weil ich es besser weiß! Denn erstens ist das Wort „üben“ der totale Trigger und zweitens weiß ich ganz genau, wie er tickt. 
Prompt habe ich die Antwort kassiert: „Ich wollte gerade spielen. Aber weil du mich dran erinnert hast, habe ich schon keine Lust mehr und mache es jetzt nicht.“
Verärgert über mich, ziehe ich von dannen und denke mir: Super! Großartig gemacht, Frau Krämer.

Vielleicht kennst du das auch von dir selbst: Wie motiviert bist du, etwas zu tun, wenn dir jemand ständig sagt, dass du es musst?

Wahrscheinlich nicht besonders. Ich jedenfalls finde es schon schlimm genug, so viel Zeit für bestimmte Haushaltstätigkeiten aufbringen zu müssen und die intrinsische Motivation dafür kostet mich manchmal recht viel Kraft. Aber wenn mich jemand darauf hinweist, dass alle Wäschetonnen voll sind, fühle ich mich gegängelt, empfinde es so, als würde man das viele Andere, das ich schon gemacht habe oder regelmäßig tue, total übersehen und reagiere mit Widerstand. (Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, haha!)

Jugendlichen geht es oft genauso – es sei denn, sie gehören zu den super-über-Angepassten, was möglicherweise später oder an anderer Stelle herausfordernd werden kann.
Wie also können wir es schaffen, dass unser jugendliches Kind dennoch seine Übungen zur Reflexintegration macht (wenn man scheinbar nichts sagen darf)?

Du kannst nicht mit Zwang motivieren

Vielleicht hast du schon alles ausprobiert:
“Mach doch bitte endlich deine Übungen.”
“Du weißt doch, dass sie dir guttun.”
“Wir haben dafür schließlich viel Geld bezahlt.”
Je größer der Druck wird, desto stärker wird häufig der Widerstand.
Warum?
Weil Druck Gegendruck erzeugt und Motivation nicht von außen ‚gemacht‘ werden kann.
Wir können einen Menschen unterstützen, ermutigen, inspirieren und ihm beistehen.
Die Entscheidung, etwas wirklich tun zu wollen, entsteht jedoch immer in einem selbst.
Genau deshalb lohnt es sich, weniger Energie in das Überreden und mehr Energie in das Verstehen (und damit in die Beziehungsebene) zu investieren.

Jugendliche ernst nehmen und motivieren

Nicht jede fehlende Motivation bedeutet, dass dein Kind keine Lust auf das Training hat. Manchmal steckt etwas ganz anderes dahinter. Vielleicht sieht es noch keine Veränderungen, die Übungen sind ihm unangenehm, es fühlt sich ständig bewertet oder verbessert, es hat sich noch keine Übungs-Routine eingestellt, ein Wachstumsschub blockiert das System, es ist einfach erschöpft oder der Alltag ist gerade so voll, dass ihm alles zu viel wird.

Versuche deshalb, nicht vorschnell zu überzeugen oder zu überreden.

Frage lieber nach: „Was macht dir im Moment am meisten Schwierigkeiten?“ oder „Was würde dir helfen, das Training leichter in deinen Alltag einzubauen?“ Oft entsteht Motivation nicht dadurch, dass wir gute Argumente finden, sondern dadurch, dass sich Jugendliche verstanden und ernst genommen fühlen, indem wir die richtigen Fragen stellen.

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Bild von Kindel Media

Sprich nicht über Reflexe – sprich über die Ziele deines Kindes

Es gibt Menschen, die möchten alles bis ins kleinste Detail verstehen. Andere brauchen lediglich den groben Überblick. Ganz gleich, zu welchem Typ dein Kind gehört, spannend wird es meist erst dann, wenn es erkennt, was sich für das eigene Leben zum Positiven verändern könnte.

Vielleicht möchte dein Kind …

  • sich in Klassenarbeiten besser konzentrieren,
  • beim Sport schneller reagieren,
  • abends schneller einschlafen,
  • souveräner mit Stress umgehen,
  • weniger schnell wütend werden,
  • sich in der Schule sicherer fühlen,
  • beim Reiten oder Fußball koordinierter sein,
  • beim Musizieren präziser spielen
  • endlich Schwimmen oder Fahrradfahren lernen …

Das sind mögliche Ziele aus der Lebenswelt deines Kindes.
Die Reflexintegrationsübungen sind dabei nicht das Ziel, sondern lediglich der Weg.

Statt zu sagen:
“Wir müssen heute den TLR üben.”
könnte es hilfreicher sein zu sagen:
“Du hast doch erzählt, dass du dich in Mathe besser konzentrieren möchtest. Wollen wir heute wieder einen kleinen Schritt in diese Richtung machen?”
Allein dieser Perspektivwechsel kann viel verändern.

Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht
Autonomie ist einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt.
Deshalb lohnt es sich, deinem Kind dort Wahlmöglichkeiten zu geben, wo sie möglich sind.
Zum Beispiel:

  • Wann möchtest du heute trainieren?
  • Welche Reihenfolge soll es heute sein?
  • Lieber alle Übungen am Stück oder aufgeteilt?
  • Mit Rexi-Musik oder in Stille?
  • Wollen wir uns eine Kerze und eine Duftlampe anmachen?
  • Möchtest du die Übungen alleine machen oder soll ich dabei bleiben?
  • Kann ich dich beim Zählen unterstützen?

So erlebt dein Kind das Training nicht als etwas, das über seinen Kopf hinweg entschieden wird.

Deine eigene Haltung überträgt sich auf dein Kind

Ein weiterer Gedanke ist mir sehr wichtig:

Kinder und Jugendliche nehmen viel mehr wahr, als wir manchmal glauben. Dabei geht es weniger um unsere Worte, als um unsere Stimmung, unsere Körpersprache und unsere innere Haltung.

Insbesondere feinfühlige Kinder und Jugendliche, wie wir sie im Training zur Reflexintegration häufig erleben, spüren sehr genau, ob wir innerlich präsent sind oder gedanklich noch bei tausend anderen Dingen. Vielleicht kennst du solche Situationen:
Während du noch am Herd stehst und gleichzeitig die Spülmaschine ausräumst, gleichzeitig eine Nachricht am Handy beantwortest, hörst du dich schrill rufen:
„Wir müssen heute noch die Übungen machen.“
„Leg dich schon mal hin, ich komme gleich.“

Natürlich kenne ich solche Momente selbst. Der Familienalltag ist oft voll, und nicht immer lässt sich alles perfekt planen. Doch Kinder spüren sehr genau, ob wir das Training als lästige Pflicht empfinden, die eben noch erledigt werden muss, oder ob wir uns bewusst Zeit für sie nehmen und mit unserer Aufmerksamkeit ganz bei ihnen sind.
Deshalb lohnt es sich, vor dem Training kurz innezuhalten.
Vielleicht atmest du einmal tief durch, legst das Handy zur Seite und entscheidest dich ganz bewusst dafür:

Jetzt ist Zeit für unser Training zur Reflexintegration.

Dabei rufst du dir noch einmal in Erinnerung, warum ihr euch überhaupt für das Training zur Reflexintegration entschieden habt und welche Veränderungen sich entwickeln dürfen.
Dann geht es nicht mehr darum, möglichst schnell ein paar Übungen abzuhaken, sondern darum, gemeinsam etwas zu tun, das deinem Kind gut tut.
Du signalisierst deinem Kind: „Jetzt bist du gerade das Wichtigste“ und ich glaube, dass das eine ganz besondere Ausdrucksform von Liebe ist. Diese Haltung verändert oft mehr als jede noch so gut erklärte Motivation, denn Emotionen sind ansteckend.

Wenn du selbst überzeugt bist, dass diese gemeinsame Zeit wertvoll ist, wenn du präsent bist, aufmerksam zuhörst und dich ehrlich über kleine Fortschritte freust, wird dein Kind das spüren.

Vielleicht wird es nicht an jedem Tag begeistert aufspringen. Aber die Wahrscheinlichkeit wächst, dass Rexi für dein Kind nicht nur aus Übungen besteht, sondern aus einer wertvollen gemeinsamen Zeit mit dir.

Besonders in der Pubertät, in der Gespräche manchmal schwierig werden und körperliche Nähe oft weniger selbstverständlich ist, kann das einer der größten Motivationsfaktoren überhaupt sein.

Gemeinsam statt allein

Warum machst du die Übungen nicht einfach mit?
Dadurch überbringst du deinem Kind gleich zwei wichtige Botschaften. Erstens: Wir gehen da gemeinsam durch und zweitens: Schau, ich sorge auch für mich und investiere in mich.
Du verlangst deinem Kind also nichts ab, was du nicht selbst bereit bist zu tun.
Ganz nebenbei entsteht gemeinsame Zeit, in der es nicht um Leistung oder Perfektion geht, sondern darum, sich gegenseitig zu unterstützen.

Vielleicht werdet ihr sogar zu kleinen Sparringspartnern, motiviert euch gegenseitig und lacht auch einmal über eine Übung.

Manchmal sind es genau diese gemeinsamen Momente, die lange in Erinnerung bleiben.

Das Gehirn liebt sichtbare Erfolge

Veränderungen entstehen oft schleichend. Umso wichtiger ist es, den Blick immer wieder bewusst auf das zu richten, was sich bereits verbessert hat, denn wir neigen dazu, unsere Aufmerksamkeit vor allem auf das zu lenken, was (noch) nicht klappt. Fortschritte werden dagegen erstaunlich schnell selbstverständlich.

Nimm dir deshalb regelmäßig Zeit, gemeinsam mit deinem Kind zurückzublicken:

  • Was fällt dir inzwischen leichter?
  • Worauf bist du diese Woche stolz?
  • Ist dir oder anderen etwas Positives aufgefallen?
  • Gab es eine Situation, die früher schwieriger gewesen wäre?

Solche Gespräche lenken den Blick auf Entwicklung, statt auf Defizite.
Oft motivieren zugewandte Fragen mehr als jedes Lob.

Achte auch selbst auf kleine Veränderungen und sprich sie aus: „Als du neulich einen Wutanfall hattest, hast du dich viel schneller beruhigt, als früher“.
Positive Rückmeldungen helfen Jugendlichen, ihre eigenen Fortschritte wahrzunehmen.
Für jüngere Kinder unterstützt dabei Rexis Rucksack. Auf kleinen Zetteln können alle Erfolge und Fortschritte gesammelt werden. Ältere Kinder oder Jugendliche, die ohne Plüsch-Rexi trainieren, können stattdessen ein Glücksglas anlegen.

So wird sichtbar, was im Alltag leicht übersehen wird und genau das motiviert, dranzubleiben.

Noch ein weiterer Effekt entsteht daraus: Was glaubst du, wie stolz unsere Rexi Teilnehmer sind, wenn wir ihnen zum Abschluss des Trainings zur Reflexintegration alle Erfolgszettel präsentieren: Was für ein Erfolg!

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Bilder von Bettina Egartner

Eine Fähigkeit fürs ganze Leben

Regelmäßiges Training zur Reflexintegration entwickelt nicht nur das Nervensystem. Es fördert gleichzeitig Fähigkeiten, die heute immer wichtiger werden: dranzubleiben, sich zu fokussieren und auch dann weiterzumachen, wenn sich Erfolge nicht sofort zeigen.

In einer Zeit, in der vieles sofort verfügbar ist und ständig neue Reize um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, werden Ausdauer, Fokus und Willensstärke zu echten Schlüsselkompetenzen. Wer über viele Monate konsequent an einem Ziel arbeitet, erlebt: Ich kann etwas erreichen, wenn ich dranbleibe.

Deshalb lohnt es sich, diesen Gedanken immer wieder mit deinem Jugendlichen zu reflektieren. Nicht nur die Veränderungen durch das Training zur Reflexintegration sind ein Erfolg, sondern auch die Erfahrung, sich über einen längeren Zeitraum für sich selbst eingesetzt und durchgehalten zu haben. Diese Kompetenz wird deinem Kind in der Schule, im Beruf, im Sport und in vielen anderen Lebensbereichen zugutekommen.

Mindestens genauso wertvoll ist noch etwas anderes: Ein besseres Körpergefühl entwickeln.

Vielen Jugendlichen ist es besonders wichtig, wie ihr Körper aussieht. Was dabei häufig vergessen wird, ist die Bedeutung eines guten Körpergefühls.

Unser Körper begleitet uns vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens. Er ist gewissermaßen unser Zuhause. Damit wir uns darin sicher und wohlfühlen können, müssen wir ihn gut kennen.

Je besser Jugendliche ihren Körper wahrnehmen, seine Signale verstehen und sich in ihm zu Hause fühlen, desto leichter fällt es ihnen, gut für sich selbst zu sorgen. Auch deshalb ist ein gutes Körpergefühl weit mehr als ein Nebeneffekt des Rexi-Trainings.

Routine schlägt Perfektion

Manchmal ist der Alltag so voll, dass ein Rexi Tag ausfällt, dann noch einer und vielleicht noch ein dritter während einer Woche und du denkst: „Jetzt ist es sowieso egal, der Zug ist abgefahren, wir haben den Anschluss verpasst.“

Doch wie sagt meine Yoga-Lehrerin so schön? A little goes a long way. Jedes bisschen Training ist besser, als keines.
Was könnt ihr also tun, wenn der Alltag zu voll ist? 
Reduziert die Übungsanzahl und bleibt dennoch in der Routine.
Nicht Perfektion bringt uns weiter, sondern Kontinuität.
Und ganz ehrlich: Wieviel Zeit verbringt man manchmal dennoch mit sinnlosen Dingen, obwohl man eigentlich überhaupt gar keine Zeit hat?!
Zeit hat man nie, man muss sie sich nehmen.

Vielleicht hilft es euch auch, das Training zur Reflexintegration an etwas zu koppeln, das ohnehin jeden Tag passiert. Zum Beispiel:

  • nach der Schule,
  • vor dem Duschen,
  • nach dem Abendessen,
  • nach dem Zähneputzen,
  • vor dem Schlafen schon bettfertig

Mit der Zeit entsteht daraus fast von selbst eine neue Gewohnheit.
Erkläre, warum Wiederholung so wichtig ist:

“Dein Gehirn verändert sich nicht durch eine einzige lange Trainingseinheit. Es lernt durch viele kleine Wiederholungen. Genau dadurch entstehen nach und nach neue Verknüpfungen im Gehirn.”

Deshalb gibt es im Rexi Heft auch 28 Felder, in die die Übungs-Sticker eingeklebt werden können. Dafür fühlt sich dein Jugendlicher vielleicht schon zu erwachsen, das Prinzip dahinter bleibt jedoch dasselbe und unterstreicht deine Erklärung. Schließlich erwartet auch niemand, nach einem einzigen Fußballtraining wie Cristiano Ronaldo zu spielen oder nach einem Bizeps-Curl auszusehen wie Popeye.

Wenn plötzlich Widerstand entsteht

Vielleicht hast du schon beobachtet, dass dein Kind ausgerechnet bei bestimmten Übungen besonders viel Widerstand zeigt. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass dies häufig bei jenen Reflexen der Fall zu sein scheint, die besonders aktiv sind.

Natürlich muss das nicht immer so sein. Widerstand kann viele Ursachen haben.
Bleibe deshalb neugierig, statt vorschnell aufzugeben.

Und frage dich nicht zuerst: „Wie bekomme ich mein Kind wieder zum Üben?“

Sondern vielmehr: „Was beschäftigt mein Kind gerade?“
Manchmal steckt hinter dem Widerstand gar nicht das Training, sondern einfach das Leben: Vielleicht ist die Schule gerade besonders anstrengend, dein Kind befindet sich mitten in einem Wachstumsschub, es ist vom Alltag völlig erschöpft, frisch verliebt oder hat Stress mit einem Freund oder einer Freundin?

Nicht jeder Widerstand muss sofort gelöst werden.
Solange ihr im Gespräch bleibt, gemeinsam nach Lösungen sucht und darauf vertraut, dass Motivation auch wieder zurückkehren darf, ist oft schon viel gewonnen.

Ohne Humor geht nichts

An manchen Tagen steckt einfach der Wurm drin. Entweder, es will überhaupt gar nichts klappen, oder man hat schon zum Frühstück einen Clown gevespert und schafft es überhaupt nicht, ernst zu bleiben.

Aus welchen Gründen auch immer, ist Humor fast immer ein Gamechanger. Nicht alles muss immer bierernst sein nur, weil die Wörter „Training“ oder „Übungen“ darin stecken.
Kreativität und Humor sind ein besonders gutes Team. Bei manchen Übungen lasse ich z.B. die jüngeren Kindern wie Raumschiffe durch die Galaxien fliegen, bei Jugendlichen muss man sich etwas zur Situation Angemessenes einfallen lassen.

Manchmal hilft es schon, etwas „anders“ als üblich zu tun – und sich dabei den Spaß zu erlauben.

Diese Tipps gelten nicht nur für das Training zur Reflexintegration

Vielleicht ist dir beim Lesen schon aufgefallen: Eigentlich sprechen wir hier gar nicht nur über Reflexintegration, weil dieselben Prinzipien für viele Bereiche des Lebens gelten. Vielleicht soll dein Kind regelmäßig …

  • ein Instrument üben,
  • Vokabeln lernen,
  • für Klassenarbeiten lernen,
  • Hausaufgaben erledigen,
  • sein Haustier versorgen,
  • Sport machen,
  • Zähne putzen,
  • eine Zahnspange tragen,
  • Medikamente einnehmen,
  • Physiotherapie oder Ergotherapie durchführen.

In all diesen Situationen hilft Motivation meist deutlich mehr als Druck.
Wenn Kinder und Jugendliche verstehen, warum etwas wichtig ist, eigene Entscheidungen treffen dürfen und ihre Fortschritte wahrnehmen, entsteht häufig eine ganz andere Bereitschaft mitzumachen.

Deshalb wünsche ich Eltern manchmal den Mut, mehr Begleiter und weniger Kontrolleur zu sein und dabei einfach mal Fünfe gerade sein lassen zu können.

Ein Beispiel aus dem Alltag:
Dein Sohn sagt nach einem verlorenen Spiel: „Ich habe keine Lust mehr, ich höre auf!” Würdest du ihm antworten: „Du musst aber!”
Oder würdest du viel eher sagen:
„Ich kann verstehen, dass du frustriert bist. Gleichzeitig hast du doch erzählt, dass du in dieser Saison schneller werden möchtest. Was würde dir helfen, weiterhin am Ball zu bleiben und dein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?”

Vielleicht entscheidet er sich trotzdem dagegen. Doch dann war es möglicherweise dein Ziel und nicht seins. Diesen Unterschied zu erkennen ist wichtig.

Echte Motivation entsteht nur dann, wenn ein Ziel dem oder der Jugendlichen selbst wichtig ist.

Du musst dein Kind nicht reparieren

Auch dieser Gedanke liegt mir besonders am Herzen. Jugendliche spüren sehr genau, wenn sie den Eindruck bekommen, mit ihnen stimme etwas nicht.
Deshalb versuche ich Eltern immer wieder mitzugeben: Es geht nicht darum, dein Kind zu verändern oder zu reparieren. Es geht darum, seine Entwicklung zu unterstützen und ihm selbst Strategien an die Hand zu geben.

So, wie manche Menschen ihre Ausdauer trainieren oder ein Instrument lernen, kann auch das Nervensystem trainiert werden.

Nicht jeder Tag läuft gleich gut

Nichts erscheint an manchen Tagen mit einem Pubertierenden in der Familie bedeutsamer, als Gelassenheit.  Die wünsche ich natürlich allen Eltern.

Doch es ist normal, dass nicht jeder Tag gleich gut läuft und jede Übung begeistert angenommen werden wird. Entscheidend ist, dass ihr am Ball bleibt, indem ihr im Gespräch bleibt, schon kleine Fortschritte wahrnehmt und das Training nicht zum täglichen Machtkampf werden lasst.

Die Beziehung zu deinem Kind sollte dabei immer wichtiger sein, als das perfekte Training.
Denn genau diese Beziehung ist vermutlich die wichtigste Grundlage dafür, dass dein Kind nicht nur heute, sondern sein ganzes Leben lang dazu bereit bleibt, sich weiterzuentwickeln.

Die wichtigsten Motivationstipps auf einen Blick

  • Verstehe die Pubertät als Entwicklungsschritt, nicht als Widerstand.
  • Sprich über die Ziele deines Kindes, nicht über Reflexe.
  • Gib deinem Jugendlichen möglichst viel Mitspracherecht.
  • Sei selbst präsent und gestalte die Rexi-Zeit bewusst.
  • Macht die Übungen, wenn möglich, gemeinsam.
  • Lenke den Blick immer wieder auf bereits erreichte Fortschritte.
  • Ermutige dein Kind, dranzubleiben – nicht perfekt zu sein.
  • Nutzt feste Routinen und kleine Trainingseinheiten.
  • Begegne Widerstand mit Neugier statt mit Druck.
  • Vergiss den Humor nicht.

Denke daran: Diese Motivationstipps helfen nicht nur beim Training zur Reflexintegration, sondern überall dort, wo Kinder und Jugendliche lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

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Ich bin Silke Krämer.

Kinder- und Jugendcoach Professional, NLP Master und Coach, EMDR Traumatherapeutin und Gymnasiallehrerin

Ich helfe Familien, wenn es Schulstress gibt und daheim die Fetzen fliegen. Außerdem unterstützte ich Mütter und Väter dabei, sich den Herausforderungen des Familienlebens selbstbewusst zu stellen.

Als Trainerin für Reflexintegration helfe ich deinem Kind, damit ihm die Schule bei Konzentrations­schwächen, Lern- und motorischen Problemen leichter fällt.

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